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Norm / Standard

AS6171

Test Methods for Counterfeit Electronic Parts

Definition

Aerospace-Standard für die Identifizierung gefälschter elektronischer Bauteile in Luftfahrt- und Verteidigungs-Lieferketten. Definiert spezifische Prüfmethoden: visuelle Inspektion, mechanische Tests, externe und interne Materialanalyse, Funktionstests, X-Ray, SAM (Scanning Acoustic Microscopy). Pflichtanwendung in DFARS-konformen US-Verträgen und zunehmend in EU-Aerospace-Lieferketten.

In der Praxis

AS6171 ist das Laborhandbuch für den Fall, dass Sie ein elektronisches Bauteil nicht aus franchisierter Quelle bekommen — Obsoleszenz macht das in der Luftfahrt zum Normalfall, nicht zur Ausnahme. Der Standard ist eine Familie von Prüfmethoden mit eskalierender Tiefe: von der äußeren Sichtprüfung über Röntgen, RFA und akustische Mikroskopie bis zur zerstörenden Dekapsulierung. Der häufigste Fehler: „Nach AS6171 geprüft" steht im Bericht, ohne dass Methode, Prüftiefe und Akzeptanzkriterien festgelegt wurden — das ist, als bestellen Sie „eine Prüfung" ohne Prüfplan. Zweiter Fehler: Das Labor kennt den Standard nicht und liefert einen generischen Bericht ohne die geforderte Nachweistiefe. Dritter Fehler passiert nach dem Ergebnis: Ein verdächtiges Teil wird an den Händler zurückgeschickt — und wandert damit zurück in die Lieferkette. Verdächtige und bestätigte Fälschungen gehören in Quarantäne und in die Meldung, nicht in den Rücktransport.

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen zu AS6171

Wie hängen AS6171, AS5553 und AS6081 zusammen?

Die drei Standards bilden die Counterfeit-Familie der SAE für elektronische Bauteile, aber auf unterschiedlichen Ebenen. AS5553 richtet sich an Organisationen, die EEE-Bauteile einkaufen und verbauen: Sie fordert ein Managementsystem zur Vermeidung, Erkennung, Abschwächung und Disposition gefälschter Teile. AS6081 ist das Pendant für unabhängige Distributoren — also für die Handelsstufe, nicht für den Verarbeiter. AS6171 schließlich enthält keine Managementanforderungen, sondern die standardisierten Prüfmethoden selbst: Wenn AS5553 oder AS6081 „Erkennung durch Prüfung" fordern, liefert AS6171 das methodische Wie — von der Sichtprüfung bis zur Materialanalyse. Dazu gesellen sich AS6174 für nicht-elektronisches Material und AS6496 für den autorisierten Vertrieb. Merksatz: AS5553 und AS6081 sagen, dass Sie prüfen müssen — AS6171 sagt, wie.

Wann wird die Prüfung nach AS6171 für uns verbindlich?

Von sich aus ist AS6171 ein Methodenstandard — verbindlich wird er über drei Wege. Erstens über EN 9100, Abschnitt 8.1.4: Die Norm fordert Prozesse zur Verhinderung gefälschter Teile, und die Anmerkung nennt ausdrücklich Verifizierungs- und Prüfmethoden zur Erkennung als Baustein — AS6171 ist dafür die anerkannte Referenz. Zweitens über Kundenanforderungen: Aerospace-OEMs und Rüstungsbeschaffer referenzieren AS6171 in ihren Lieferantenforderungen, sobald Teile aus nicht franchisierten Quellen zulässig sind. Drittens im US-Verteidigungskontext über die DFARS-Klauseln zur Counterfeit Prevention — etwa 252.246-7007 und -7008 —, die ein funktionierendes Erkennungs- und Vermeidungssystem vertraglich einfordern. Praktisch gilt: Sobald Sie EEE-Teile am freien Markt beschaffen, ist die Frage nicht ob, sondern in welcher Tiefe Sie nach AS6171 prüfen lassen (EN 9100:2018, Abschnitt 8.1.4; SAE AS6171).

Wir müssen ein abgekündigtes Bauteil am freien Markt beschaffen — wie gehen wir die Prüfung konkret an?

Steuern Sie die Prüftiefe über das Risiko, nicht über den Preis. Erstens: Dokumentieren Sie die Beschaffungsentscheidung — Abkündigung, keine franchisierte Quelle verfügbar, Kritikalität des Bauteils. Zweitens: Legen Sie mit dem Prüflabor die Methoden fest; als Basis haben sich äußere Sichtprüfung, Röntgen und Röntgenfluoreszenzanalyse bewährt, bei sicherheitskritischen Anwendungen kommen akustische Mikroskopie und Dekapsulierung mit Die-Analyse dazu. Drittens: Sichern Sie die Beweiskette — das Teil geht versiegelt ins Labor, der Bericht referenziert Serien- und Datumscodes. Viertens: Definieren Sie vorher, was bei Verdacht passiert — Quarantäne, Information an Kunde und Meldedatenbanken wie ERAI, keinesfalls Rücksendung an den Händler. Und fünftens: Übernehmen Sie die Erkenntnisse in Ihre Obsoleszenzplanung, damit der Notfall nicht zur Routine wird.

AS6171 in der Anwendung? Norminator hilft.

Das Glossar erklärt den Begriff. Norminator liefert die Umsetzung — von der Anforderung bis zum fertigen Dokument.

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