Definition
Internationales Pendant zu EN 9100 für Luft-, Raumfahrt und Verteidigung. Erweitert ISO 9001 um branchenspezifische Anforderungen wie Konfigurationsmanagement, Erstmusterprüfung (FAI), Risikomanagement und Fälschungsvermeidung. Zertifizierung wird von der IAQG koordiniert.
In der Praxis
Die AS9100 ist die amerikanische Ausgabe desselben Standards, den Europa als EN 9100 und Asien als JISQ 9100 kennt — inhaltlich sind die drei Fassungen von der IAQG abgeglichen. In der Praxis heißt das: Wer nach Nordamerika liefert, findet in Verträgen von Boeing, RTX oder Lockheed Martin die AS-Bezeichnung, braucht aber kein zweites Managementsystem. Ein QMS, ein Audit, ein Zertifikat — die Zertifizierungsstelle auditiert gegen die regional passende Fassung, und der OASIS-Eintrag gilt weltweit. Der typische Fehler im Mittelstand ist, für „AS“ und „EN“ zwei Dokumentationen aufzubauen, weil zwei Kunden unterschiedliche Kürzel in die Bestellung schreiben. Das verdoppelt Pflegeaufwand und Auditrisiko, ohne einen einzigen Mehrwert. Richtig ist: Das Managementsystem gegen die 9100er-Anforderungen auslegen, die Basis bleibt die ISO 9001, und die kundenspezifischen Zusätze der jeweiligen OEMs als separate Anforderungsliste führen.
Häufige Fragen zu AS9100
Brauche ich neben der EN 9100 auch eine AS9100-Zertifizierung?
Nein. AS9100, EN 9100 und JISQ 9100 sind inhaltlich abgeglichene Regionalausgaben ein und desselben IAQG-Standards. Ein Zertifikat einer zugelassenen Zertifizierungsstelle wird von Kunden weltweit akzeptiert, unabhängig davon, welche Bezeichnung im Vertrag steht. Entscheidend ist der Eintrag in der OASIS-Datenbank, nicht das Kürzel auf der Urkunde. In der Praxis auditieren Zertifizierungsstellen ohnehin gegen die Fassung, die zu Ihrem Sitz und Ihrem Markt passt — für ein deutsches Unternehmen ist das die EN 9100. Doppelte Zertifizierungen sind rausgeworfenes Geld.
Muss ich die 9100er-Anforderungen an meine eigene Lieferkette weitergeben?
Ja, das ist Kern des Systems: Die Anforderungen gelten auf allen Ebenen der Lieferkette, und Sie bleiben für die Konformität zugekaufter Prozesse, Produkte und Dienstleistungen verantwortlich (ISO 9001, Kapitel 8.4.1). In der Praxis heißt das: externe Anbieter bewerten und überwachen, die anzuwendenden Anforderungen — inklusive Kunden- und Behördenanforderungen — in den Bestellunterlagen festlegen und die Einhaltung nachweisen. Der übliche Hebel ist die Forderung nach einer 9100er-Zertifizierung beim Lieferanten oder, bei kleineren Betrieben, gezielte Second-Party-Audits. Wer das Flow-down versäumt, bekommt es im Audit als Abweichung an Kapitel 8.4 quittiert.
Worauf muss ich mich beim Zertifizierungsaudit nach AS9100/EN 9100 einstellen?
Die Audits folgen der 9101 und bewerten ausdrücklich nicht nur die Konformität, sondern auch die Wirksamkeit Ihrer Prozesse — ein gelebter Prozess mit schwachen Kennzahlen kann also trotzdem eine Feststellung bringen. Erwarten Sie, dass der Auditor vom Handbuch in die Fertigung geht: Erstmusterprüfung, Konfigurationsstände und Umgang mit nichtkonformen Teilen werden am Objekt geprüft, nicht am Papier. Bereiten Sie Nachweise zu Kundenzufriedenheit und Lieferleistung vor, denn beides fließt in die Bewertung ein. Und klären Sie vorab, ob Kunden spezifische Zusatzanforderungen haben — die werden mitgeprüft.