Definition
Internationale Arbeitsgruppe der Luftfahrtbehörden (FAA, EASA, Transport Canada, NAA Japan, ANAC Brasilien) zu Software-Zertifizierungsfragen. Veröffentlicht regelmäßig CAST Position Papers, die DO-178C-Auslegungsfragen zu spezifischen Themen klären — z.B. CAST-32A zu Multi-Core-Prozessoren, CAST-33 zu Künstlicher Intelligenz. De facto bindend für Zulassungspraxis.
In der Praxis
CAST-Papers sind das, was in der Luftfahrt-Softwarezulassung zwischen Norm und Praxis liegt — und wer sie ignoriert, baut doppelt. Die Arbeitsgruppe der Zulassungsbehörden veröffentlicht Positionspapiere zu Auslegungsfragen des DO-178C: Wie ist Multi-Core-Hardware zu behandeln (CAST-32A), wie Künstliche Intelligenz (CAST-33), wie COTS-Software oder Objektorientierung? Formal sind das keine Normen, faktisch legen die Behörden — EASA, FAA und weitere — ihre Zulassungsentscheidungen entlang dieser Papiere aus. Erstes Fehlerbild in der Praxis: Das Entwicklungsteam kennt den DO-178C, aber nicht die einschlägigen CAST-Papers — und erlebt die Überraschung im Review mit der Behörde, wenn der gewählte Ansatz einer CAST-Position widerspricht. Zweites Fehlerbild: Papers werden zu spät gezogen. CAST-Positionen gehören in die Entwicklungsplanung, nicht in die Korrekturphase; eine Multi-Core-Architektur nachträglich auf CAST-32A-Konformität zu trimmen, ist ein Neuentwicklungsprojekt. Drittes Fehlerbild: veraltete Stände. Die Papiere werden überarbeitet oder zurückgezogen — pflegen Sie ein CAST-Register mit Revisionsüberwachung, wie Sie es vom Rechtskataster kennen.
Häufige Fragen zu CAST
Was ist der Unterschied zwischen CAST-Papers und dem DO-178C?
Der DO-178C ist der verbindliche Standard für die Software-Zulassung in der Luftfahrt: Er definiert Ziele, Prozesse und Nachweise je nach Kritikalitätsstufe der Software. Die CAST-Papers sind Positionspapiere der internationalen Zulassungsbehörden — FAA, EASA, Transport Canada und weitere —, die klären, wie die Behörden bestimmte DO-178C-Fragen auslegen, zu denen der Standard selbst schweigt oder Spielraum lässt. Beispiele sind Multi-Core-Prozessoren oder der Einsatz von KI. Der DO-178C sagt also, was zu erreichen ist; die CAST-Papers sagen, wie die Behörde bestimmte Lösungswege bewerten wird. Für die Praxis heißt das: Wer nur den Standard liest, kennt die halbe Zulassungswirklichkeit. Die relevanten CAST-Papers gehören zum Pflicht-Repertoire jedes Luftfahrt-Softwareprojekts (DO-178C).
Sind CAST Position Papers rechtlich verbindlich?
Formal nein — es sind Positionspapiere einer Behörden-Arbeitsgruppe, keine Gesetze, Verordnungen oder Normen. Faktisch ja: Die beteiligten Zulassungsbehörden, darunter EASA und FAA, orientieren ihre Bewertungen und Zulassungsentscheidungen an diesen Positionen. Widerspricht Ihr Lösungsansatz einer CAST-Position, müssen Sie im Zulassungsverfahren eine gleichwertige Begründung liefern — das ist möglich, aber aufwendig und risikoreich. Praktisch verhalten sich CAST-Papers damit wie anerkannte Regeln der Technik für die Software-Zulassung. Beachten Sie außerdem, dass Papiere überarbeitet oder zurückgezogen werden können; der jeweils aktuelle Stand zählt. Mein Rat: Behandeln Sie CAST-Papers im Dokumentenmanagement wie normative Referenzen — mit Revisionsüberwachung und Verknüpfung zu den betroffenen Entwicklungsdokumenten.
Wie binden wir CAST-Papers systematisch in unsere Entwicklungsprojekte ein?
Legen Sie ein CAST-Register an: alle für Ihre Produktklasse relevanten Papers mit Stand, Kurzinhalt und den betroffenen Entwicklungsartefakten. Prüfen Sie in der Projektplanungsphase — nicht erst vor der Zulassung —, welche Positionen Ihre Architektur berühren: Multi-Core-Hardware, COTS-Komponenten, KI-Funktionen, Werkzeugqualifizierung. Weisen Sie die Einhaltung im Entwicklungsplan nach, idealerweise mit einem Verweis von der CAST-Position auf die Stelle, an der Sie sie umsetzen. Bauen Sie die Revisionsüberwachung ein: Einmal jährlich oder projektgetrieben prüfen, ob Papers aktualisiert oder zurückgezogen wurden. Und nutzen Sie den Dialog mit der Behörde beziehungsweise dem Designee früh, wenn Sie bewusst von einer Position abweichen wollen — das ist legitim, aber nur mit dokumentierter Äquivalenzbegründung. So wird CAST vom Zulassungsrisiko zum Planungsinstrument.