Definition
Norm zur Bestimmung der funktionalen Sicherheit von Steuerungssystemen an Maschinen. Definiert Performance Level (PL a bis e) basierend auf Risikoanalyse mit Schwere (S), Häufigkeit (F) und Vermeidbarkeit (P). PL wird realisiert durch Kategorien (B, 1–4) mit konkreten Anforderungen an Struktur, MTTFD, Diagnosedeckungsgrad und Ausfallverhalten. Standardanwendung für Not-Halt-Schaltungen, Schutztürüberwachung und Lichtvorhang-Auswertung.
In der Praxis
Der häufigste Irrtum rund um ISO 13849-1 sitzt im Einkauf: „Wir haben einen PL-e-Türschalter verbaut, also haben wir PL e." Es gibt keinen PL-e-Schalter — der Performance Level gilt immer für die gesamte Sicherheitsfunktion, also die Kette von Sensor über Logik bis Aktor. Der beste Sensor nützt nichts, wenn die Auswertung einkanalig und die Abschaltung über ein unbewachtes Schütz läuft. Zweiter Stolperstein: Die Software und Parametrierung werden vergessen — die Norm stellt explizite Anforderungen an sicherheitsbezogene Software, und ein falsch parametrierter Sicherheitsbaustein ist ein ausgefallener Sicherheitsbaustein. Drittens fehlt die Validierung nach Teil 2: Gerechnet ist nicht geprüft. In der Praxis bewährt sich der klare Ablauf: PLr je Sicherheitsfunktion aus der Risikobeurteilung ableiten, Architektur wählen, mit Bauteildaten zu MTTFd, Diagnosedeckungsgrad und Fehlern gemeinsamer Ursache den erreichten PL berechnen — Werkzeug der Wahl ist SISTEMA — und die Bedingung PL größer gleich PLr dokumentieren.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen zu ISO 13849-1
Was ist der Unterschied zwischen Performance Level und Safety Integrity Level?
Beide messen dasselbe Ziel auf verschiedenen Skalen: die Zuverlässigkeit, mit der eine Steuerung ihre Sicherheitsfunktion ausführt. Der Performance Level PL a bis e stammt aus ISO 13849-1, der Maschinennorm für sicherheitsbezogene Steuerungsteile aller Technologien — elektrisch, pneumatisch, hydraulisch, mechanisch. Der Safety Integrity Level SIL 1 bis 4 stammt aus der IEC 61508, der Grundnorm der funktionalen Sicherheit, und wird im Maschinenbau über die IEC 62061 abgeleitet. Zwischen PL und SIL gibt es anerkannte Zuordnungstabellen — etwa PL d zu SIL 2 —, weil beide auf der Wahrscheinlichkeit eines gefährlichen Ausfalls pro Stunde beruhen. Praktisch: Wählen Sie pro Projekt eine Methodik und bleiben Sie dabei; ein Pflichtenheft, das PL und SIL wild mischt, erzeugt Spezifikationschaos. Für klassische Maschinensteuerungen ist ISO 13849-1 der übliche Weg, IEC 62061 die Alternative bei komplexer Elektronik (ISO 13849-1; IEC 61508; IEC 62061).
Ist die Anwendung von ISO 13849-1 Pflicht?
Formal nein, faktisch ja — das ist die Konformitätsvermutungs-Logik des europäischen Warenverkehrsrechts. Normen sind freiwillig; harmonisierte Normen lösen aber die Vermutung aus, dass die grundlegenden Sicherheitsanforderungen der Maschinenrichtlinie — künftig der MVO — erfüllt sind. ISO 13849-1 ist eine solche harmonisierte Sicherheitsfachgrundnorm. Sobald eine Schutzmaßnahme von der Steuerung abhängt — Not-Halt, Schutztürverriegelung, Lichtvorhang —, müssen Sie die Leistungsfähigkeit dieser Sicherheitsfunktion nachweisen, und der PL-Nachweis nach ISO 13849-1 ist dafür der anerkannte Stand der Technik. Wer ihn umgeht, trägt im Streitfall die volle Beweislast, dass seine Eigenlösung gleichwertig sicher ist. Diese Position wollen Sie weder vor der Marktüberwachung noch vor einem Haftungsgericht verteidigen (ISO 13849-1; Richtlinie 2006/42/EG).
Wie führen wir eine PL-Bewertung praktisch durch?
Folgen Sie dem iterativen Ablauf der Norm. Erstens: Sicherheitsfunktionen aus der Risikobeurteilung nach ISO 12100 ableiten — jede Funktion einzeln, etwa „Schutztür geöffnet führt zu sicherem Stillstand". Zweitens: den erforderlichen Performance Level PLr je Funktion bestimmen, klassisch über den Risikographen der Norm mit den Parametern Schadensausmaß, Expositionshäufigkeit und Vermeidbarkeit. Drittens: Architektur festlegen — die Kategorie der Steuerung, von B bis 4, bestimmt das Fehlerverhalten. Viertens: Bauteildaten beschaffen — MTTFd der Komponenten, Diagnosedeckungsgrad, Maßnahmen gegen Fehler gemeinsamer Ursache — und den erreichten PL berechnen, in der Praxis mit dem IFA-Werkzeug SISTEMA. Fünftens: validieren nach ISO 13849-2, also prüfen, ob die Umsetzung dem Entwurf entspricht und der PL den PLr erreicht. Dokumentieren Sie alles in der technischen Dokumentation — bei einem Unfall ist diese Kette Ihre Verteidigung.