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Norm / Standard

IEC 31010

Risk Management — Risk Assessment Techniques

Definition

Begleit-Norm zu ISO 31000. Beschreibt rund 30 systematisch klassifizierte Risikobewertungstechniken — von Brainstorming und Delphi-Methode über Bow-Tie, FMEA, HAZOP, LOPA bis hin zu Monte-Carlo-Simulation und Markov-Analyse. Praktisch nützliche Auswahlhilfe je nach Risikotyp, Zeitbudget und Datenverfügbarkeit. Kein "richtig oder falsch", sondern strukturierte Methodenwahl.

In der Praxis

Die häufigste Feststellung in meinen Audits zum Risikomanagement ist Methoden-Monokultur: Die Risikomatrix ist das einzige Werkzeug im Haus — für Produktrisiken, Lieferketten, Cyber-Vorfälle und strategische Entscheidungen gleichermaßen. Das ist, als würde ein Schreiner alles mit der Wasserwaage erledigen. IEC 31010 ist die unterschätzte Auswahlhilfe dagegen: Die Norm klassifiziert rund dreißig Techniken danach, wann sie stark sind — Brainstorming und Delphi für die frühe Identifikation, Bow-Tie für die Barrieren-Sicht, FMEA und HAZOP für die technische Tiefe, Szenarioanalysen und Simulationen, wenn es um Unsicherheit und Wechselwirkungen geht. Der zweite Fehler ist die Methodenwahl nach Gewohnheit statt nach Fragestellung: Wer wenig Daten hat, braucht eine andere Technik als wer Messreihen besitzt; wer Ursachenketten sucht, wählt anders als wer Schutzlagen bewertet. Mein Rat an QMB und Risikoverantwortliche: Legen Sie einen kurzen Methodenkatalog fest — welche Technik für welchen Risikotyp — und verweisen Sie im Verfahren auf IEC 31010. Das beendet die Matrix-Monokultur und gibt jedem Audit eine saubere Begründung der Wahl.

Häufige Fragen zu IEC 31010

Wie hängen IEC 31010 und ISO 31000 zusammen?

ISO 31000 liefert das „Was und Warum" des Risikomanagements: Prinzipien, Rahmenbedingungen und den Risikomanagement-Prozess von der Festlegung des Kontexts über Bewertung und Behandlung bis zu Überwachung und Kommunikation. IEC 31010 liefert das „Womit": die Auswahl und Anwendung konkreter Risikobewertungstechniken für die einzelnen Prozessschritte. Die eine Norm beschreibt also das System, die andere den Werkzeugkasten dazu. Wichtig für die Praxis: Beide sind Leitlinien, keine zertifizierbaren Anforderungsnormen — niemand prüft Sie „nach ISO 31000", aber beide sind der anerkannte Maßstab, wenn es darum geht, risikobasiertes Denken in ISO 9001, ISO 14001 oder ISO 45001 methodisch zu untermauern. Wer die beiden zusammen nutzt, hat Rahmen und Handwerk beisammen.

Schreibt uns irgendeine Norm vor, welche Risikobewertungsmethode wir einsetzen müssen?

Nein — und das ist ein wichtiger Punkt. Die ISO-Managementsysteme nach harmonisierter Struktur fordern, dass Risiken und Chancen bestimmt und behandelt werden, lassen die Methode aber bewusst offen. Auch ISO 31000 schreibt keine Technik vor, sondern verlangt einen systematischen, auf den Kontext zugeschnittenen Prozess. Branchenspezifisch kann es enger werden: Die Automobilindustrie erwartet die FMEA nach AIAG-VDA, die Medizintechnik das Risikomanagement nach ISO 14971, und im Arbeitsschutz ist die Gefährdungsbeurteilung der gesetzlich verankerte Kernprozess. IEC 31010 selbst ist ausdrücklich eine Auswahlhilfe — sie klassifiziert Techniken nach Einsatzzweck, Datenbedarf und Aufwand, ohne eine davon zur Pflicht zu erklären. Ihre Aufgabe ist es, die Wahl zu treffen und nachvollziehbar zu begründen.

Wie wählen wir aus den rund 30 Techniken der IEC 31010 die passende aus?

Stellen Sie drei Fragen in dieser Reihenfolge. Erstens: Was ist die Fragestellung — Risiken finden, Ursachen verstehen, Barrieren bewerten oder Entscheidungen unter Unsicherheit treffen? Zweitens: Welche Daten haben Sie — kaum welche, Erfahrungswissen oder Messwerte und Ausfallstatistiken? Drittens: Wie viel Tiefe brauchen Sie — ein schneller Überblick für die Managementbewertung oder eine belastbare Analyse für ein sicherheitskritisches System? Aus den Antworten ergibt sich die Technik fast von selbst: wenig Daten und frühe Phase sprechen für strukturierte Workshops, technische Fehlerlogik für FMEA oder FTA, Schutzschicht-Fragen für Bow-Tie oder LOPA. Dokumentieren Sie die Wahl kurz im Risikoverfahren — zwei Sätze genügen. Das schützt Sie im Audit vor dem Vorwurf der Beliebigkeit und macht die Methodenwahl wiederholbar (Auswahllogik: IEC 31010).

IEC 31010 in der Anwendung? Norminator hilft.

Das Glossar erklärt den Begriff. Norminator liefert die Umsetzung — von der Anforderung bis zum fertigen Dokument.

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