Definition
Im Automotive-Kontext ein aktuell an den OEM geliefertes Serien- oder Service-Teil. Der Teil gilt als „aktiv", bis das Kunden-Werkzeug offiziell zur Verschrottung freigegeben oder durch die Einkaufsabteilung des OEM deaktiviert wurde. Der Status bestimmt Lieferantenpflichten wie PPAP-Aktualität.
In der Praxis
Der Aktiv-Status entscheidet über laufende Pflichten, die Geld kosten — und genau da hapert es in der Praxis. Erstes Fehlerbild: Das Teil ist beim OEM längst deaktiviert, läuft aber intern weiter als aktiv — mit jährlicher Requalifizierung, Layout-Messung und PPAP-Pflege für ein Teil, das niemand mehr abruft. Manche OEM verlangen für aktive Teile eine jährliche vollständige Maßprüfung; wer den Status nicht pflegt, prüft auf Vorrat. Zweites Fehlerbild: Der Werkzeugstatus im Haus und der Teilstatus beim Kunden laufen auseinander — die Werkzeugkennzeichnung mit Status wie „für Produktion" oder „zur Verschrottung" gehört synchron zur Kundenfreigabe geführt. Drittes Fehlerbild: Die Deaktivierung passiert mündlich am Telefon. Bei Teilen ohne kundeneigenes Werkzeug oder bei Mehrfachnutzung eines Werkzeugs verlangen die kundenspezifischen Anforderungen eine schriftliche Bestätigung der Einkaufsabteilung — ohne die bleibt das Teil formal aktiv, mit allen Pflichten. Mein Rat: eine geführte Active-Part-Liste mit regelmäßigem Abgleich gegen die Kundenportale.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen zu Active Part
Wann gilt ein Teil als aktiv, und was ändert sich, wenn es deaktiviert wird?
Ein Teil ist aktiv, solange es für Serien- oder Service-Anwendungen an den Kunden geliefert wird. Es bleibt aktiv, bis die zuständige Kundenstelle die Verschrottung des Werkzeugs freigibt — oder, bei Teilen ohne kundeneigenes Werkzeug, die Einkaufsabteilung die Deaktivierung schriftlich bestätigt. Solange der Status aktiv ist, laufen die vollen Pflichten: aktuelle Freigabedokumentation, Requalifizierungen, Änderungsmanagement und Rückverfolgbarkeit. Nach der Deaktivierung entfallen die laufenden Nachweise — die Aufbewahrungspflichten für bereits erstellte Aufzeichnungen bleiben. Der praktische Knackpunkt: Service-Teile bleiben oft Jahre nach Serienende aktiv, weil der OEM sie weiter abruft. Wer den Status nicht sauber führt, trägt entweder tote Pflichten oder — schlimmer — liefert ein formal aktives Teil ohne aktuelle Freigabe (IATF 16949:2016, Abschnitt 3.1).
Wo ist der Begriff „Active Part" normativ verankert?
Die Begriffsbestimmung steht im Automobil-QMS-Standard IATF 16949 in Abschnitt 3.1, der die automobilspezifischen Begriffe definiert. Die operative Logik — aktive Teile bleiben es bis zur Werkzeug-Verschrottungsfreigabe beziehungsweise schriftlichen Deaktivierung durch den Kunden — wird durch die kundenspezifischen Anforderungen der OEM konkretisiert; GM und Ford beschreiben dieses Verfahren in ihren CSR-Dokumenten nahezu wortgleich. Für Sie heißt das: Der Aktiv-Status ist keine interne Buchhaltung, sondern ein kundenseitig gesteuerter Zustand. Im Audit wird geprüft, ob Ihre Teileliste mit den Kundeninformationen übereinstimmt und ob Deaktivierungen dokumentiert sind. Fehlt die schriftliche Bestätigung, gilt das Teil als aktiv — mit allen Konsequenzen für Prüf- und Dokumentationspflichten (IATF 16949:2016, Abschnitt 3.1).
Wie organisieren wir die Statusverfolgung aktiver Teile praktisch?
Führen Sie eine zentrale Active-Part-Liste als gelenkte Information: Teilenummer, Kunde, zugeordnetes Werkzeug, Aktiv-Status, Datum der letzten Statusprüfung. Hängen Sie die Liste an einen festen Abgleich-Rhythmus — quartalsweise gegen die Lieferabrufe und Kundenportale, mindestens aber jährlich. Definieren Sie den Deaktivierungs-Workflow: Wer fragt beim Kunden an, wer holt die schriftliche Bestätigung der Einkaufsabteilung ein, und wo wird sie abgelegt? Verknüpfen Sie den Status mit den Folgeprozessen: Requalifizierungsplanung, Werkzeugverwaltung und PPAP-Dokumentation müssen bei einer Statusänderung automatisch mitlaufen. Und archivieren Sie die Deaktivierungsnachweise — im Streitfall Jahre später zählt nur das Schriftliche. Der Aufwand ist klein; ein einziger Audit-Befund zu einem formal aktiven Teil ohne gültige Freigabe kostet mehr.