Definition
Aerospace-Standard, der die strukturierte Erfassung und Klassifizierung von Nichtkonformitäten in der Luftfahrt-Lieferkette regelt. Definiert eine einheitliche Taxonomie für Defekttypen, Ursachenklassen und Maßnahmenkategorien — ermöglicht systemübergreifende Auswertungen, Lieferanten-Benchmarking und Trendanalysen. Häufig integriert in 8D-Workflows und Quality Cockpits großer OEMs.
In der Praxis
Die AS9131 beziehungsweise EN 9131 normiert, wie Nichtkonformitäten in der Aerospace-Lieferkette strukturiert erfasst und dokumentiert werden — trockene Materie, bis der erste OEM seine Lieferantenauswertung darauf aufsetzt. Dann zeigt sich der Praxiswert: Große Kunden wie Airbus verlangen die Benachrichtigung über nach Auslieferung erkannte Abweichungen nach diesem Standard, und ihre Quality Cockpits werten Lieferanten über die standardisierte Klassifikation aus. Der typische Stolperstein im Mittelstand: Das eigene Reklamationswesen kennt drei Freitextfelder, aber keine Taxonomie — die OEM-Auswertungen laufen ins Leere oder werden falsch befüllt, und die Trendanalyse über Lieferanten hinweg scheitert an der Datenqualität. Die Verzahnung mit dem 8D-Report ist der pragmatische Weg: Der 8D liefert den Lösungsprozess, die 9131 die Datenstruktur. Wer beides zusammenführt, hat die Nichtkonformitätsbearbeitung auf einem Stand, der Kundenaudits standhält.
Häufige Fragen zu AS9131
Was unterscheidet die AS9131 vom 8D-Report?
Die AS9131 normiert die Datenstruktur: welche Angaben zu einer Nichtkonformität wie klassifiziert und dokumentiert werden, damit Auswertungen über Organisationen und Lieferkettenebenen hinweg vergleichbar sind. Der 8D-Report dagegen beschreibt den Lösungsprozess — von der Sofortmaßnahme über die Ursachenanalyse bis zur Wirksamkeitsprüfung. Beides ergänzt sich: Die 9131-Felder lassen sich in einen 8D-Workflow integrieren, sodass die Bearbeitung prozessual nach 8D läuft und die Dokumentation strukturell nach EN 9131. Wer nur den 8D kennt, liefert gute Einzelfallanalysen, aber keine auswertbaren Daten — und genau die erwarten die großen Kunden.
Wo ist die AS9131 normativ verankert — muss ich sie überhaupt anwenden?
Die Norm selbst ist ein IAQG-Dokument zur Harmonisierung: Der Anhang C der EN 9100 ordnet sie den Kapiteln zur Steuerung nichtkonformer Ergebnisse und zu Nichtkonformität und Korrekturmaßnahmen zu. Verbindlich wird sie über den Vertrag: Kunden fordern die strukturierte Dokumentation und Benachrichtigung nach diesem Standard, insbesondere bei Abweichungen, die nach der Auslieferung erkannt werden — dem sogenannten Quality Escape. Dann gilt: zeitnahe Meldung an den Kunden mit den klassifizierten Daten, Eingrenzung betroffener Lieferungen und eine dokumentierte Korrekturmaßnahme. Solange kein Kunde die 9131 in die Bestellung schreibt, bleibt die Übernahme freiwillig — mit Vertragsbezug ist sie bindend wie jede andere Kundenanforderung.
Wie bilde ich die AS9131-Klassifikation in meinem Reklamationswesen ab?
Beginnen Sie mit einem Mapping: Ordnen Sie Ihre bestehenden Fehler- und Ursachenkataloge den Klassen der Norm zu, statt eine zweite Buchhaltung aufzumachen. Danach gehören die Felder als Pflichtattribute in Ihr CAQ- oder Reklamationsmodul — idealerweise in den 8D-Workflow, damit Erfassung und Lösungsprozess zusammenlaufen. Schulen Sie die wenigen Personen, die klassifizieren, und prüfen Sie die Datenqualität stichprobenartig, bevor der Kunde es tut. Der Praxistest: Können Sie auf Knopfdruck eine Auswertung über Defekttypen und Ursachenklassen je Kunde und Zeitraum ziehen? Wenn ja, steht Ihr System; wenn nein, fehlt die Struktur.