Definition
Formelles multidisziplinäres Design-Review in der Luft- und Raumfahrtentwicklung, bei dem die kritischen Design-Entscheidungen einer Komponente oder Baugruppe verifiziert werden. Findet typischerweise nach der vorläufigen Konstruktion statt und prüft Erfüllung von Systemanforderungen.
In der Praxis
Das CDR ist das letzte Gatter, bevor aus Papier Hardware wird — und der Versuchung, es unter Termindruck abzunicken, widersteht kaum ein Projekt von allein. Erstes Fehlerbild: Das Review läuft, während die Fertigung schon Material bestellt; dann ist die Freigabe Makulatur, und jede Befundkorrektur wird ein Änderungsauftrag. Zweites Fehlerbild: offene Analysen. FMEA nicht geschlossen, Verifizierungsplanung lückenhaft, Zuverlässigkeitsrechnung „in Arbeit" — das CDR prüft genau diese Vollständigkeit, und wer sie auf später verschiebt, verlagert das Risiko in die Erstmusterprüfung. Drittes Fehlerbild: die Vermischung mit der FAI — das CDR prüft das Design, die Erstmusterprüfung nach EN 9102 das gefertigte Produkt gegen dieses Design; beides ersetzt sich nicht gegenseitig. In der Raumfahrt ist das CDR ein hartes Gate der ECSS-Projektlogik; in der Medizintechnik bildet die Entwicklungsbewertung vor dem Designtransfer dieselbe Funktion ab. Wer das CDR ernst nimmt, kauft Sicherheit zum letzten billigen Zeitpunkt.
Häufige Fragen zu CDR
Was unterscheidet das CDR von der Erstmusterprüfung?
Das Critical Design Review prüft die Konstruktion, bevor realisiert wird: Sind alle Anforderungen im Design allokiert, die Analysen geschlossen, die Schnittstellen definiert? Es ist eine Prüfung auf dem Papier. Die Erstmusterprüfung nach EN 9102 prüft das gefertigte Produkt: Entspricht das erste Teil aus Serienprozessen den Konstruktionsunterlagen, Merkmal für Merkmal? Das CDR schützt vor falscher Konstruktion, die FAI vor falscher Umsetzung. Zwischen beiden liegen Fertigung und Verifizierung. Wer das CDR schwächelt, bezahlt die Korrektur doppelt — einmal im Design, einmal im Erstmuster. Deshalb gilt in der Luftfahrt: Kein CDR, keine Fertigungsfreigabe (EN 9102).
Wo ist das CDR normativ verankert?
Nirgendwo als benannter Pflichttermin — das CDR ist ein Prozessmeilenstein, keine Normklausel. Der normative Anker ist die Entwicklungsüberprüfung: Die ISO 9001 fordert in den Steuerungsmaßnahmen für die Entwicklung Überprüfungen, die bewerten, inwieweit die Entwicklungsergebnisse die Anforderungen erfüllen; die ISO 13485 konkretisiert das für Medizinprodukte als systematische Bewertungen in geeigneten Phasen. In der Raumfahrt definieren die ECSS-Standards die Review-Folge von PDR bis CDR als Projektstruktur, in der Luftfahrt ist die Logik entlang der ARP 4754A etabliert. Für Sie zählt: Das Managementsystem verlangt belastbare, dokumentierte Entwicklungsüberprüfungen — das CDR ist die bewährte Form am Ende der Konstruktion. Die Freigabeentscheidung und ihre Auflagen gehören in die Aufzeichnungen (ISO 9001:2015, Abschnitt 8.3.4).
Was gehört auf die Checkliste für ein wirksames CDR?
Prüfen Sie die Vollständigkeit der Anforderungsallokation: Jede Systemanforderung muss einem Designelement zugeordnet und verifizierbar sein. Verlangen Sie geschlossene Analysen — FMEA, Zuverlässigkeit, thermische und strukturelle Nachweise, je nach Produkt. Klären Sie die Schnittstellen: intern zwischen Baugruppen, extern zu Kundensystemen. Prüfen Sie die Realisierbarkeit: Fertigungs- und Prüfplanung müssen stehen, bevor Sie freigeben. Haken Sie die offenen Punkte aus dem PDR ab — was dort verschoben wurde, muss hier erledigt sein. Dokumentieren Sie die Freigabeentscheidung mit etwaigen Bedingungen und tragen Sie sie in das Configuration Management ein: Mit dem CDR entsteht typischerweise die Produkt-Baseline. Ein CDR mit zehn offenen Kernpunkten ist kein bestandenes Review, sondern ein verschobenes.