Definition
Disziplinierte Verwaltung von Produktkonfigurationen über den gesamten Lebenszyklus, insbesondere in Luft- und Raumfahrt sowie MedTech. Umfasst Identifizierung, Änderungskontrolle, Statusdokumentation und Prüfung der Konfiguration. Pflicht in EN 9100 und AS9100.
In der Praxis
Configuration Management ist die Disziplin, die verhindert, dass drei Versionen desselben Produkts gleichzeitig existieren, ohne dass jemand weiß, welche wo steckt. Erstes Fehlerbild: Es wird mit Versionskontrolle verwechselt. Ein Git-Repository verwaltet Software-Stände; Configuration Management verwaltet die gesamte Produktkonfiguration — Hardware, Software, Dokumentation — über den Lebenszyklus, mit Baselines, Änderungslenkung und Statusbilanz. Zweites Fehlerbild: Die Änderungslenkung ist ein E-Mail-Verteiler. In der Luftfahrt fordert die EN 9100 einen geplanten Prozess, der die Übereinstimmung zwischen dokumentierter und tatsächlicher Konfiguration sicherstellt — wer Änderungen ohne Auswirkungsanalyse durchwinkt, verliert genau diese Konsistenz. Drittes Fehlerbild: Die Baselines fehlen. Ohne eingefrorene Referenzstände — etwa an den Meilensteinen PDR und CDR — ist jede Rückfrage zur Auslieferungskonfiguration ein Archäologie-Projekt. In der Medizintechnik läuft dasselbe Prinzip über die Entwicklungsakten und die Lenkung von Entwicklungsänderungen nach ISO 13485.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen zu Configuration Management
Was unterscheidet Configuration Management vom klassischen Änderungsmanagement?
Das Änderungsmanagement steuert einzelne Änderungen: Antrag, Bewertung, Genehmigung, Umsetzung. Configuration Management ist der größere Rahmen: Es identifiziert zuerst, aus welchen Konfigurationseinheiten das Produkt überhaupt besteht, friert Referenzstände als Baselines ein und lenkt dann jede Änderung gegen diese Baselines. Dazu gehören die Statusbilanz — welcher Stand ist wo verbaut — und die Konfigurationsprüfung, ob Produkt und Dokumentation übereinstimmen. Änderungsmanagement ist also ein Baustein des Configuration Managements, nicht dessen Synonym. Wer nur Änderungen lenkt, ohne die Konfiguration zu kennen, beantwortet die Auditfrage „Welcher Stand wurde an diesen Kunden geliefert?" nicht. In der Luftfahrt ist diese Antwort Pflicht, kein Wunsch.
Wo fordert die EN 9100 Configuration Management konkret?
Die EN 9100 verlangt in Abschnitt 8.1.2 einen geplanten, umgesetzten und gelenkten Prozess für das Konfigurationsmanagement, der die Identifizierung und Lenkung der physischen und funktionalen Merkmale über den Produktlebenszyklus sicherstellt. Der Prozess muss zwei Dinge gewährleisten: die Lenkung der Produktidentifizierung und Rückverfolgbarkeit auf die Anforderungen einschließlich der Umsetzung identifizierter Änderungen, und die Übereinstimmung der dokumentierten Information — Anforderungen, Entwicklung, Verifizierung, Validierung, Abnahme — mit den tatsächlichen Merkmalen des Produkts. Methodische Unterstützung liefert die ISO 10007 als Leitfaden. Für Luftfahrt-Zulieferer heißt das: Ohne dokumentierten Konfigurationsmanagement-Prozess ist die Zertifizierung nicht zu haben — der Auditor prüft die Kette von der Anforderung bis zum ausgelieferten Stand (EN 9100:2018, Abschnitt 8.1.2).
Wie führen wir Configuration Management praktisch ein?
Definieren Sie zuerst die Konfigurationseinheiten: Baugruppen, Software-Komponenten und Dokumente, die gemeinsam den Produktstand bilden. Legen Sie Baselines fest — typischerweise eine funktionale Baseline nach den Anforderungen und eine Produkt-Baseline nach der Konstruktionsfreigabe. Richten Sie die Änderungslenkung mit einem echten Change Control Board ein: Auswirkungsbewertung über alle Einheiten hinweg, dokumentierte Entscheidung, verbindliche Umsetzung. Führen Sie die Statusbilanz, aus der jederzeit hervorgeht, welcher Stand wo verbaut ist. Und planen Sie Konfigurationsaudits: die funktionale Prüfung, ob das Produkt die Anforderungen erfüllt, und die physische Prüfung, ob es der Dokumentation entspricht. Starten Sie mit einem Pilotprodukt, nicht mit dem ganzen Portfolio — die Disziplin muss sitzen, bevor sie skaliert (ISO 10007).