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Konzept / Begriff

Counterfeit Prevention

Definition

Gesamtheit der Maßnahmen zur Vermeidung von Falschlieferungen in der Luftfahrt-, Verteidigungs- und Automotive-Lieferkette. Umfasst Lieferantenbewertung, Incoming-Inspection, Kennzeichnungssysteme und Schulungen. EN 9100 und AQAP-2110 fordern explizite Prozesse.

In der Praxis

Das Risiko sitzt in der Engpass-Situation: Der Kunde braucht die Leiterplatte, der Hersteller hat die Baugruppe abgekündigt, und der einzige verfügbare Bestand liegt bei einem Broker, dessen Herkunftsnachweis aus einem PDF mit unscharfem Logo besteht. Genau dort entstehen gefälschte Teile — umgelabelte, recycelte oder komplett nachgebaute Komponenten, die als Originalware verkauft werden. Die EN 9100 verlangt deshalb einen eigenen Prozess zur Verhinderung gefälschter Teile, und die Anmerkungen der Norm lesen sich wie eine Checkliste aus der Praxis: Schulung der Mitarbeiter, Überwachung obsoleszenter Teile, Beschaffung nur von Originalherstellern, autorisierten Händlern oder genehmigten Quellen, Rückverfolgbarkeit bis zum Originalhersteller, geeignete Prüfmethoden zur Erkennung — und Quarantäne plus Berichterstattung, wenn ein Verdacht besteht. Der teuerste Fehler ist dabei die gut gemeinte Rücksendung: Wer ein gefälschtes Teil an den Händler zurückschickt, füttert es direkt wieder in die Lieferkette. Im Verteidigungsumfeld kommen die NATO-Leitfäden der AQAP-Reihe hinzu; für Elektronikbauteile hat sich international die SAE AS5553 als Referenz etabliert.

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen zu Counterfeit Prevention

Was zählt als gefälschtes Teil?

Die EN 9100 definiert ein gefälschtes Teil als nicht autorisierte Kopie, Imitation oder als Ersatz beziehungsweise modifiziertes Teil, das wissentlich fälschlich als Originalteil eines Original- oder autorisierten Herstellers dargestellt wird (Kapitel 3.1). Typische Fälschungsmerkmale sind falsche Kennzeichnung oder Etikettierung, falsche Seriennummern oder Datumscodes, manipulierte Dokumentation sowie falsche Angaben zu Leistungseigenschaften oder Werkstoffen. Abzugrenzen ist das vom Teil zweifelhafter Herkunft: Hier liegen glaubwürdige Anzeichen vor, dass ein Teil nicht freigegeben oder gefälscht sein könnte — etwa unvollständige Dokumentation oder eine nicht anerkannte Quelle. Beide Kategorien gehören in denselben Lenkungsprozess: sperren, prüfen, dokumentieren, melden.

Welche Normen fordern Maßnahmen gegen gefälschte Teile?

Die EN 9100 verlangt ausdrücklich, dass die Organisation Prozesse zur Verhinderung der Verwendung gefälschter oder verdächtig gefälschter Teile plant, umsetzt und lenkt — einschließlich der Verhinderung ihrer Integration in an den Kunden gelieferte Produkte (Kapitel 8.1.4). Die Händler-Norm EN 9120 enthält dieselbe Anforderung und ergänzt sie um die Verhinderung von Teilen zweifelhafter Herkunft. Im NATO-Umfeld greifen die AQAP-Dokumente das Thema vertraglich auf, und für elektronische Bauteile ist die SAE AS5553 der international etablierte Standard für Vermeidung, Erkennung und Umgang. In der Automobilindustrie existiert keine vergleichbare Einzelklausel — dort wird das Risiko über die allgemeinen Anforderungen an Beschaffung, Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit adressiert.

Wie baue ich die Fälschungsprävention praktisch auf?

Beginnen Sie bei den Beschaffungswegen: Beschaffung nur über Originalhersteller, deren autorisierte Händler oder vom Kunden genehmigte Quellen — jede Ausnahme ist eine dokumentierte Risikoentscheidung. Legen Sie im Wareneingang risikobasierte Prüfungen fest: Dokumentenprüfung auf Plausibilität, Sichtprüfung von Markierung und Verpackung, bei Bedarf erweiterte Prüfungen nach SAE AS6171. Sichern Sie die Rückverfolgbarkeit bis zum Originalhersteller — sie ist der stärkste Schutz und zugleich Normerwartung. Schulen Sie Einkauf und Wareneingang regelmäßig; die Muster der Fälscher ändern sich ständig. Und definieren Sie den Verdachtsfall vorab: Quarantäne mit eingeschränktem Zugang, keine Rücksendung an die Quelle, Information an Kunde und gegebenenfalls an die zuständige Stelle. Ein Counterfeit-Control-Plan, der diese Kette beschreibt, ist im Audit der schnellste Nachweis.

Counterfeit Prevention in der Anwendung? Norminator hilft.

Das Glossar erklärt den Begriff. Norminator liefert die Umsetzung — von der Anforderung bis zum fertigen Dokument.

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