Zum Hauptinhalt springen
Nachhaltigkeit / ESG

ESRS E3

European Sustainability Reporting Standard — Water and Marine Resources

Definition

ESRS-Standard zu Wasser- und Meeresressourcen. Berichtspflichten zu Wasserverbrauch, Wasserentnahmen aus stressed-Gebieten, Wasser-Wiederverwendung, Abwasser-Qualität sowie Auswirkungen auf marine Ökosysteme. Wesentlich für wasserintensive Branchen (Lebensmittel, Chemie, Papier, Stahl, Halbleiter). Verzahnung mit WHG, ISO 14046 (Water Footprint) und CDP Water Security Programm.

In der Praxis

„Wasser betrifft uns nicht" ist der Satz, den ich vor fast jeder E3-Wesentlichkeitsanalyse höre — und der regelmäßig kippt, sobald der Blick vom eigenen Standort auf die Wertschöpfungskette wechselt. Der Standort im sauerländischen Mittelgebirge hat kein Wasserstress-Problem; die vorgelagerten Rohstoffe und Zukaufteile aus Südeuropa, Nordafrika oder Asien sehr wohl. Genau diese Trennung zwischen Standortblick und Wertschöpfungsblick ist der fachliche Kern von E3 — und ihr häufigster Prüfpunkt. Zweiter Stolperstein: Verbrauch und Entnahme werden durcheinandergeworfen. Die wasserrechtliche Erlaubnis nach dem WHG misst die Entnahme; der Standard fragt den Verbrauch — das Wasser, das dem Einzugsgebiet entzogen bleibt, weil es verdunstet, im Produkt steckt oder verschmutzt zurückkommt. Drittens: Wasserintensive Prozesse wie Kühlung, Reinigung oder Oberflächenbehandlung haben oft jahrzehntealte Zähler, deren Datenqualität für ein Reporting nicht reicht. Messen Sie nach, bevor Sie berichten — und prüfen Sie die Wasserstress-Einordnung Ihrer Standorte und Schlüssellieferanten mit den gängigen öffentlichen Screening-Werkzeugen.

Häufige Fragen zu ESRS E3

Was ist der Unterschied zwischen Wasserentnahme, Wasserverbrauch und Wasserstress?

Wasserentnahme ist alles Wasser, das Sie einem Gewässer, dem Grundwasser oder einem Netz entziehen — die Zählergröße an Ihrem Anschluss. Wasserverbrauch ist die Teilmenge, die dem Einzugsgebiet dauerhaft entzogen wird: verdunstet, im Produkt gebunden oder so belastet, dass es nicht mehr nutzbar zurückfließt. Die Differenz zwischen Entnahme und Verbrauch ist das, was als Abwasser zurückgeht. Wasserstress schließlich ist keine Mengengröße Ihres Betriebs, sondern eine Eigenschaft des Einzugsgebiets: das Verhältnis von Verfügbarkeit zu Bedarf aller Nutzer vor Ort. Deshalb kann ein geringer Verbrauch in einem Stressgebiet gravierender sein als ein hoher Verbrauch in einem wasserreichen Gebiet — und genau diese Kontextlogik verlangt ESRS E3. Wer nur Kubikmeter berichtet, ohne die Standortbewertung, erfüllt die Absicht des Standards nicht (Delegierte Verordnung (EU) 2023/2772 (ESRS), ESRS E3; ISO 14046).

Welche wasserrechtlichen Pflichten treffen uns unabhängig vom Reporting — und wie hängen sie mit E3 zusammen?

Das Wasserhaushaltsgesetz regelt den Umgang mit Gewässern als Erlaubnisrecht: Die Entnahme von Wasser aus oberirdischen Gewässern oder Grundwasser und das Einleiten von Stoffen in Gewässer sind Benutzungen, die grundsätzlich einer behördlichen Erlaubnis oder Bewilligung bedürfen — mit Mengen-, Qualitäts- und Überwachungsauflagen. Diese Bescheide sind für E3 doppelt wertvoll: Sie sind erstens die Rechtsgrundlage Ihres Betriebs und zweitens die dokumentierte Datenquelle für Entnahmemengen und Einleitqualität. Dazu kommt bei größeren Einleitern der Betriebsbeauftragte für den Gewässerschutz — die Bestellpflicht greift, wer an einem Tag mehr als 750 Kubikmeter Abwasser einleiten darf (§ 64 Abs. 1 WHG). Wer seine wasserrechtlichen Pflichten im Rechtskataster sauber abbildet und die Messdaten aus den Bescheiden strukturiert ablegt, hat die E3-Kerndaten bereits erhoben — das Reporting wird zum Ausleseprozess. Beachten Sie: E3 selbst ist nur für CSRD-berichtspflichtige Unternehmen verbindlich und dort nur, wenn das Thema wesentlich ist (Wasserhaushaltsgesetz (WHG), § 8 Abs. 1 i. V. m. § 9 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 4; Delegierte Verordnung (EU) 2023/2772 (ESRS), ESRS E3).

Wie gehen wir praktisch vor, wenn wir noch nie eine Wasserbilanz erstellt haben?

Beginnen Sie mit einer Standortbilanz: alle Entnahmestellen — Trinkwassernetz, Eigenbrunnen, Oberflächenwasser — gegen alle Abgänge, also Abwasser, Verdunstung und Produktanteil. Das ergibt die erste Verbrauchsgröße und zeigt sofort, wo Zähler fehlen; Kühl- und Reinigungskreisläufe sind die üblichen blinden Flecken. Zweiter Schritt: das Stress-Screening. Bewerten Sie jeden Standort und danach die wesentlichen Lieferkettenregionen mit einem anerkannten öffentlichen Wasserrisiko-Werkzeug — das Ergebnis entscheidet, ob E3 für Sie wesentlich wird und wo Reduktionsmaßnahmen überhaupt Sinn ergeben. Drittens: Methodik festlegen. Wenn Sie den Fußabdruck vertiefen wollen, arbeiten Sie nach ISO 14046 — die Norm liefert die Bilanzierungsregeln, die Ihre Zahlen vergleichbar machen. Und binden Sie das Thema ins Umweltmanagement nach ISO 14001 ein: Ziele, Maßnahmen, Managementbewertung — dann bleibt Wasser ein Steuerungsthema statt einer Berichtsübung (ISO 14046).

ESRS E3 in der Anwendung? Norminator hilft.

Das Glossar erklärt den Begriff. Norminator liefert die Umsetzung — von der Anforderung bis zum fertigen Dokument.

Norminator Support
Fragen zu Norminator? Frag mich.
Willkommen! Ich bin der Norminator Support-Assistent. Wie kann ich Ihnen helfen?