Definition
Kennzahl für die Fehlerhäufigkeit bei gelieferten Teilen, ausgedrückt in fehlerhaften Teilen pro einer Million gelieferter Teile. Im Automotive-Bereich zentrale Lieferantenbewertungsgröße. OEMs fordern häufig Single-Digit- oder Null-PPM-Ziele.
In der Praxis
PPM ist die Währung, in der OEMs mit Lieferanten rechnen: Die Zahl steht im Scorecard-Portal, entscheidet über die Lieferantenbewertung und hängt als Zielvereinbarung in jeder Qualitätsvereinbarung. In der Praxis scheitert das Thema selten an der Berechnung, sondern an der Reaktionslogik: Das PPM-Ziel ist vereinbart, aber niemand hat definiert, was bei Überschreitung passiert — kein Eskalationspfad, kein Aktionsplan, keine Kopplung an den KVP. Zweiter Stolperstein ist die Zählweise: Was zählt als fehlerhaftes Teil — nur beanstandete, auch nachträglich sortierte, auch Feldausfälle? Unterschiedliche Zählweisen zwischen Lieferant und OEM sorgen regelmäßig für Diskussionen in der Bewertungsrunde. Drittens: PPM ist ein Lag-Indikator und sagt nichts über die künftige Prozessfähigkeit voraus — wer nur auf PPM schaut, fährt auf Sicht im Rückspiegel. Sinnvoll ist die Kombination mit internen Frühindikatoren wie Erfolgsquote, Cpk-Werten und Auditfeststellungen.
Häufige Fragen zu PPM
Wie berechne ich PPM richtig?
PPM ist die Anzahl fehlerhafter Teile geteilt durch die Gesamtzahl gelieferter Teile, multipliziert mit einer Million. Beispiel: 3 beanstandete Teile bei 250.000 gelieferten ergeben 12 PPM. Entscheidend ist die vereinbarte Zählweise: Manche OEMs zählen nur bestätigte Fehler, andere jede Beanstandung inklusive NTF-Fällen, wieder andere gewichten nach Fehlerschwere. Auch der Bezugszeitraum variiert — monatlich, rollierend über zwölf Monate oder je Warengruppe. Die maßgebliche Definition steht in der Qualitätsvereinbarung oder im Lieferantenhandbuch des Kunden. Wer dort nichts findet, sollte die Zählweise aktiv klären, bevor die erste Scorecard widersprochen werden muss.
Welche PPM-Werte fordert die IATF 16949?
Keine konkreten — die Norm schreibt keine PPM-Ziele vor. Sie verlangt aber (Kapitel 8.4.2.4), die Leistung externer Anbieter zu überwachen, und dazu gehört die Qualität gelieferter Teile; umgekehrt überwachen OEMs ihre Lieferanten genau über solche Kennzahlen. Die konkreten Zielwerte kommen aus den kundenspezifischen Anforderungen: Viele OEMs fordern einstellige PPM-Werte oder Null-Fehler-Ziele, manche staffeln nach Warengruppe oder Reifegrad der Zusammenarbeit. Für den Lieferanten zählt praktisch: Das vereinbarte Ziel ist verbindlich, und bei Verfehlung erwarten die Kunden einen dokumentierten Aktionsplan. Die PPM-Performance fließt zudem in die Lieferantenbewertung und damit in Neuauszeichnungen ein.
Was tue ich, wenn ich das PPM-Ziel verfehle?
Zuerst Transparenz schaffen: Welche Fehlerbilder treiben die Quote, seit wann, an welchem Prozess? Dann die Reklamationen sauber im 8D-Prozess abarbeiten — mit verifizierter Grundursache statt Schnellschüssen. Parallel lohnt der Blick auf die interne Steuerung: Stimmen Prüfstrategie, Control Plan und PFMEA noch mit dem realen Prozess überein, oder hat sich der Fehlerort verschoben? Gegenüber dem Kunden ist proaktive Kommunikation entscheidend: Wer selbst einen Aktionsplan mit Terminen und Wirksamkeitsnachweis vorlegt, vermeidet meist die Eskalation in kontrollierte Lieferstufen. Langfristig senkt nur stabile Prozessfähigkeit die Quote — SPC, Poka-Yoke und gepflegte FMEAs statt Endkontrolle.