Definition
Initiative, die Unternehmen dabei unterstützt, klimawissenschaftlich fundierte Emissionsreduktionsziele zu definieren und zu validieren. Ziele müssen mit dem 1,5°C-Pfad des Pariser Abkommens oder der Well-below-2°C-Option konsistent sein. Wird von Investoren und ESG-Ratings abgefragt.
In der Praxis
Die SBTi erlebe ich in zwei Lebenslagen: als Prestige-Projekt der Geschäftsführung — „wir lassen uns validieren" — und als Realitätsschock zwölf Monate später. Der Schock hat zwei Quellen. Erstens die Scope-3-Schwelle: Überschreiten die Wertschöpfungsketten-Emissionen den relevanten Anteil, muss das Ziel auch Scope 3 umfassen — und dann hängt Ihre Zielerreichung an Lieferanten, die Sie noch nie nach ihren Emissionen gefragt haben. Lieferanten-Engagement ist der unterschätzte Posten jeder SBTi-Strategie; dafür braucht es Einkaufsmacht, Datenspezifikationen und Jahre. Zweitens die Verwechslung von Ankündigung und Validierung: „Committed" auf der Website ist kein validiertes Ziel — die Einreichung und Prüfung durch die Initiative ist der Schritt, der zählt, und sie hat Fristen. Wichtig ist die Einordnung: Die SBTi ist eine freiwillige Initiative, kein Gesetz. Aber Investoren, ESG-Ratings und CDP-Fragebögen fragen sie ab — faktisch ist sie der anerkannte Beweis, dass ein Klimaziel mehr ist als eine Pressemitteilung.
Häufige Fragen zu SBTi
Was unterscheidet die SBTi vom GHG Protocol?
Das GHG Protocol liefert die Buchhaltungslogik: Wie bilanziere ich meine Emissionen in Scope 1, 2 und 3, mit welchen Grenzen und Kategorien? Die SBTi beantwortet die Zielfrage: Ist mein Reduktionsziel mit dem 1,5-Grad-Pfad des Pariser Abkommens vereinbar — und sie validiert das Ziel gegen ihre Kriterien. Die eine ist das Messband, die andere der Prüfer für die Zielsetzung. In der Praxis greifen beide ineinander: Ohne GHG-konforme Bilanz können Sie kein SBTi-Ziel formulieren, weil Basisjahr und Scope-Abdeckung fehlen; ohne validiertes Ziel bleibt die Bilanz eine Zahl ohne Richtung. Ergänzend ist ISO 14064-1 die normative Schwester der Bilanzierung. Wer also mit Klimazielen ernst machen will, baut zuerst die Bilanz, dann das Ziel — und lässt beides prüfen (SBTi Net Zero Standard; GHG Protocol Corporate Standard).
Ersetzt ein SBTi-validiertes Ziel unsere Pflichten aus der CSRD?
Nein — die beiden Welten ergänzen sich, aber sie ersetzen sich nicht. Die SBTi ist eine freiwillige Initiative; ihre Validierung ist ein Qualitätsnachweis gegenüber dem Markt, keine Rechtspflicht und keine Befreiung von einer. Die CSRD-Berichtspflicht dagegen ist Gesetz: Wer in ihrem Anwendungsbereich ist, muss nach ESRS E1 offenlegen, ob und welche Klimaziele, Transitionspläne und Emissionen bestehen — mit den methodischen Anforderungen der Standards, inklusive Prüfung. Ein SBTi-validiertes Ziel ist dafür ein starker Baustein: Es liefert Zielarchitektur, Basisjahr-Logik und Fortschrittsmessung, die sich in die Berichterstattung überführen lassen. Aber die Berichtspflicht entsteht aus der Richtlinie, nicht aus der Initiative. Kurz gesagt: Die SBTi macht Ihr Ziel glaubwürdig — die ESRS machen Ihre Berichterstattung rechtskonform (Delegierte Verordnung (EU) 2023/2772 (ESRS E1); Richtlinie (EU) 2022/2464 (CSRD)).
Wie bereiten wir eine SBTi-Validierung realistisch vor?
Rechnen Sie mit zwölf bis achtzehn Monaten Vorlauf und starten Sie bei der Datenbasis: Sie brauchen eine vollständige Bilanz über Scope 1, 2 und 3 mit festem Basisjahr — ohne belastbaren Scope-3-Screening-Wert geht es nicht weiter. Prüfen Sie dann die Scope-3-Schwelle: Liegt der Wertschöpfungsanteil über der relevanten Grenze, muss das Ziel ihn abdecken, und Sie sollten das Lieferanten-Engagement sofort aufgleisen — Datenspezifikation, Priorisierung der großen Emittenten, vertragliche Verankerung. Formulieren Sie Nah- und Langfristziele entlang der SBTi-Kriterien und holen Sie die Geschäftsführung an Bord, bevor Sie einreichen: Das Ziel bindet Investitionen für Jahre. Nach der Einreichung folgt die Prüfung durch die Initiative; planen Sie Nachfragen ein. Und denken Sie das jährliche Fortschritts-Reporting von Anfang an mit — ein validiertes Ziel ohne Monitoring verfällt (SBTi Net Zero Standard).