Definition
Handbuch der IAQG für das Lieferkettenmanagement in der Luft- und Raumfahrt. Unterstützt Organisationen bei der Steuerung externer Anbieter, Risikobewertung und Konformitätsnachweisen entlang der Aerospace-Lieferkette. Ergänzt EN 9100 und AS9100.
In der Praxis
Viele kleinere Luftfahrt-Zulieferer kennen die EN 9100 auswendig — und das Supply Chain Management Handbook der IAQG nicht einmal dem Namen nach. Dabei ist das SCMH das praktischste Werkzeug, das die Branche kostenlos bereitstellt: Es operationalisiert genau die Lieferkettenanforderungen, die in der Norm nur als Leitsatz stehen, und liefert Anleitungen von der Qualitätsvorausplanung über die Lieferantensteuerung bis zum Umgang mit gefälschten Teilen. Die Normen der IAQG-Familie selbst verweisen in ihren Literaturhinweisen darauf, und große Kunden bauen es in ihre Anforderungen ein — so verweisen Lieferantenanforderungen für die Fälschungsprävention auf das entsprechende SCMH-Kapitel als Leitfaden, und die in der Luftfahrt übliche Definition des Statement of Work stammt aus dem APQP-Teil des Handbuchs. Der typische Fehler ist, das SCMH als Lektüre zu begreifen statt als Werkzeugkasten: Wer etwa vor der Frage steht, wie ein Second-Party-Audit in der Aerospace-Lieferkette aufgebaut oder ein Eskalationspfad dokumentiert wird, findet dort belastbare Vorlagen. Für die Gap-Analyse vor der EN-9100-Erstzertifizierung ist es die effizienteste Abkürzung.
Häufige Fragen zu SCMH
Was ist das SCMH — und wie hängt es mit der EN 9100 zusammen?
Das Supply Chain Management Handbook ist ein Leitfaden der International Aerospace Quality Group, des Verbands, der auch die QMS-Normen der 9100er-Reihe herausgibt. Während die EN 9100 die verbindlichen Anforderungen an das Qualitätsmanagementsystem formuliert, liefert das SCMH die Umsetzungspraxis für die Lieferkette: Methoden, Vorlagen und Bewertungsansätze für die Steuerung externer Anbieter, die Qualitätsvorausplanung und die Risikobetrachtung. Die EN 9100 führt das Handbuch in ihren Literaturhinweisen auf — es ergänzt die Norm, ersetzt sie aber nicht. Wer nach EN 9100 arbeitet, kann das SCMH als Referenz für das „Wie“ nutzen, während die Norm das „Was“ definiert.
Ist das SCMH für Luftfahrt-Zulieferer verbindlich?
Nein — das SCMH ist ein freiwilliger Leitfaden ohne normativen Charakter. Verbindlich wird es erst dort, wo ein Kunde es vertraglich in seine Anforderungen aufnimmt oder darauf verweist; in der Praxis geschieht das über die Lieferantenanforderungen großer Hersteller durchaus. Die verbindliche Grundlage bleibt die EN 9100 beziehungsweise EN 9120 für Händler und Lagerhalter, ergänzt um kundenspezifische Anforderungen. Trotzdem lohnt der Blick ins SCMH auch ohne Verpflichtung: Es ist die von der IAQG selbst gepflegte Interpretationshilfe für genau die Lieferkettenthemen, die in Audits regelmäßig Feststellungen erzeugen. Wer seine Prozesse am SCMH spiegelt, ist im Ernstfall gut vorbereitet.
Wie nutze ich das SCMH konkret im eigenen QMS?
Laden Sie das Handbuch von der IAQG-Website — es ist frei verfügbar — und wählen Sie die Module aus, die zu Ihren Prozessen passen: Lieferantensteuerung, Qualitätsvorausplanung, Fälschungsprävention, Eskalation. Gleichen Sie den Inhalt modulweise mit Ihren bestehenden Verfahren ab; die Abweichungen ergeben automatisch Ihre Gap-Liste. Übernehmen Sie die Vorlagen dort, wo sie besser sind als das eigene Format — etwa für die Dokumentation von Lieferantenbewertungen oder die Definition von Akzeptanzkriterien in einem Statement of Work. Weisen Sie je Modul einen Verantwortlichen zu, der die Übernahme in die Prozesslandschaft nachverfolgt. Und dokumentieren Sie im QMS, auf welche SCMH-Module Sie sich beziehen — das erleichtert die Argumentation im Kundenaudit erheblich.