Definition
Standort ohne wertschöpfende Produktionsprozesse, der andere Produktionsstandorte unterstützt (z. B. Verwaltung, Vertrieb, Engineering). Im IATF 16949-Audit ist der Unterstützungsstandort in die Bewertung einzubeziehen, wenn er QMS-Prozesse beeinflusst.
In der Praxis
Der Unterstützungsstandort ist der klassische blinde Fleck im Zertifizierungs-Scope — und ein gefundenes Fressen für Auditoren. Typische Konstellation im Mittelstand: Das Werk sitzt im Sauerland, aber Einkauf, Entwicklung oder Vertrieb laufen in einer Konzernzentrale dreihundert Kilometer entfernt. Erstes Fehlerbild: Die Zentrale entscheidet faktisch über Lieferantenauswahl oder Produktfreigaben, taucht aber in keiner Prozessbeschreibung des Werks auf. Zweites Fehlerbild: Der Auditor will die Einkaufsprozesse sehen, und die sitzen am anderen Standort — dann wird das Audit eben dorthin verlegt, mit Termindruck und Zusatzkosten. Denn die Logik der IATF-Zertifizierung ist klar: Der Produktionsstandort bekommt das Zertifikat, der Unterstützungsstandort wird mitauditiert, erhält aber kein eigenes. Drittes Fehlerbild: ungeklärte Verantwortlichkeiten an der Schnittstelle. Wer genehmigt den Lieferanten — das Werk oder die Zentrale? Wenn das im Audit diskutiert werden muss, ist es zu spät. Legen Sie Prozesse, Standorte und Verantwortlichkeiten in der Prozesslandkarte offen — inklusive der entfernten Funktionen.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen zu Unterstützungsstandort
Was ist der Unterschied zwischen Standort, Unterstützungsstandort und Unterstützungsfunktion?
Der Standort ist im Sinne der IATF 16949 der Produktionsstandort mit wertschöpfenden Fertigungsprozessen — nur er ist zertifizierungsfähig und erhält das Zertifikat. Ein Unterstützungsstandort ist eine eigene Örtlichkeit ohne Produktionsprozesse, die einen oder mehrere Produktionsstandorte unterstützt — etwa eine Zentrale mit Einkauf, Entwicklung oder Vertrieb. Die Unterstützungsfunktion schließlich beschreibt die Funktion selbst, unabhängig davon, ob sie am selben Ort oder entfernt angesiedelt ist: eine Tätigkeit ohne Produktionsprozess, die Produktionsstandorte unterstützt. Praktisch relevant wird die Unterscheidung im Audit: Unterstützende Funktionen am Produktionsstandort sind ohnehin Teil des Audits; entfernt angesiedelte Unterstützungsstandorte müssen in die Auditplanung einbezogen werden, wenn sie QMS-relevante Prozesse steuern. Reine Lager- oder Sequenzierflächen ohne wertschöpfende Tätigkeit sind übrigens ebenfalls keine eigenständig zertifizierbaren Standorte (IATF 16949:2016, Abschnitt 3.1).
Kann unser Entwicklungsstandort ein eigenes IATF-Zertifikat bekommen?
Nein — das Zertifizierungssystem der IATF ist an den Produktionsstandort gebunden. Die Begriffsbestimmungen der Norm definieren den Standort über wertschöpfende Produktionsprozesse; ein Unterstützungsstandort ohne solche Prozesse kann nicht eigenständig zertifiziert werden, sondern wird in das Zertifikat des unterstützten Produktionsstandorts einbezogen und dort mitauditiert. Die verbindlichen Regeln dazu legt das IATF-Zertifizierungsschema fest — die „Regeln für die Anerkennung und Aufrechterhaltung der IATF-Zulassung". Für Sie heißt das: Der Entwicklungsstandort erscheint auf dem Zertifikat des Werks als unterstützende Funktion, und seine Prozesse werden im Audit mitbewertet. Wenn ein Kunde von Ihrem Entwicklungsstandort „das IATF-Zertifikat" verlangt, ist die richtige Antwort der Verweis auf das Standortzertifikat mit dem gelisteten Unterstützungsumfang — nicht ein separates Dokument (IATF 16949:2016, Abschnitt 3.1; IATF-Regeln für das Zertifizierungssystem).
Wie binden wir unsere Zentrale sauber in das QMS des Werks ein?
Machen Sie zuerst eine Bestandsaufnahme: Welche QMS-relevanten Prozesse werden ganz oder teilweise an anderen Orten gesteuert — typisch sind Einkauf, Personal, Entwicklung, Vertrieb und IT. Ordnen Sie diese Prozesse in der Prozesslandkarte dem jeweiligen Standort zu und dokumentieren Sie die Schnittstellen: Wer legt Kriterien fest, wer führt aus, wer gibt frei? Definieren Sie die Verantwortlichkeiten schriftlich — eine RACI-Matrix über die Standorte hinweg hat sich bewährt, weil sie die klassischen Doppel- und Lückenrollen sichtbar macht. Nehmen Sie die entfernten Funktionen in Ihr internes Auditprogramm auf, statt sie dem Zertifizierungsauditor zu überlassen. Und stimmen Sie den Scope früh mit Ihrer Zertifizierungsstelle ab: Der Unterstützungsstandort gehört auf das Zertifikat, und die Auditzeit dafür muss eingeplant werden. Der Aufwand ist überschaubar — der Befund bei fehlender Einbindung ist es nicht.