Definition
Aerospace-Adaption der Automotive-Standards APQP und PPAP. Definiert einen strukturierten Produktentwicklungs- und Erstmuster-Freigabeprozess für Luftfahrt-Lieferanten — basierend auf den Automotive-Mustern, aber mit aerospace-spezifischen Anforderungen. Wichtige Brücke zwischen den beiden großen Qualitätswelten Automotive und Aerospace, insbesondere für Lieferanten in beiden Sektoren.
In der Praxis
Die AS9145 — in Europa als EN 9145 veröffentlicht — übersetzt das bewährte APQP- und PPAP-Denken des Automobilbaus in die Luftfahrt: fünf Phasen von der Planung bis zur Serienreife, am Ende ein PPAP-Paket mit elf Elementen, in dem die Erstmusterprüfung als eigenes Element steckt. Damit ist die Norm die Brücke für alle, die beide Branchen beliefern — und genau dort liegt der typische Fehler: Automotive-Zulieferer nehmen ihre APQP-Routinen eins zu eins mit, übersehen aber die aerospace-spezifischen Eigenheiten, etwa die Verzahnung mit der FAI nach EN 9102 und die kundenspezifischen Einreichlogiken der großen Flugzeugbauer. Zweite Standardfalle: Die Phasen laufen als Projektplan-Farbbalken mit, ohne dass die geforderten Nachweise am Phasenende tatsächlich vorliegen. Wer APQP und PPAP aus dem Automobil kennt, hat die halbe Miete — die andere Hälfte ist Disziplin in der Dokumentation.
Häufige Fragen zu AS9145
Worin unterscheidet sich die AS9145 vom klassischen APQP und PPAP der Automobilindustrie?
Die AS9145 übernimmt Grundlogik und Phasenmodell aus dem Automotive-Umfeld, definiert sie aber für die Luftfahrt neu (EN 9145, Kapitel 5.1): fünf Phasen des Produktentstehungsprozesses und ein PPAP-Paket mit elf Elementen, in das die Erstmusterprüfung nach EN 9102 als Element 9 integriert ist. Während das PPAP-Referenzhandbuch der AIAG im Automobilbau eine längere Einreichelemente-Liste kennt, ist die Aerospace-Liste kompakter, dafür enger mit Konfigurationsmanagement und Erstmusterlogik verzahnt. Wer beide Welten bedient, sollte die Elementelisten gegenüberstellen, statt anzunehmen, ein bestehender PPAP-Ordner decke die AS9145 ab. Die Norm erscheint regional abgeglichen als AS9145 und EN 9145.
Ist die AS9145 verbindlich, oder nur eine Empfehlung?
Normativ ist die AS9145 ein freiwilliger Standard — verbindlich wird sie über den Vertrag. Große OEMs und Tier-1-Strukturen schreiben sie ihren Lieferanten zunehmend als kundenspezifische Anforderung vor, insbesondere für Neuentwicklungen und Produktanläufe. Dann gilt sie wie jede andere Kundenanforderung: Nichtbeachtung ist eine Abweichung, die im Audit oder in der Lieferantenbewertung auftaucht. Prüfen Sie deshalb bei jeder Anfrage aus der Luftfahrt, ob die AS9145 oder EN 9145 im Anforderungspaket steht — und klären Sie die Einreichstufe, bevor Sie kalkulieren. Ohne Vertragsbezug bleibt sie ein sehr guter Ordnungsrahmen für strukturierte Anläufe.
Wann muss ich beim Kunden eine erneute PPAP-Freigabe einholen?
Immer dann, wenn sich nach der Erstfreigabe etwas am Produkt oder am Prozess ändert (EN 9145, Kapitel 5.4): Konstruktionsänderungen, neue oder geänderte Werkzeuge, Fertigungsverlagerungen, geänderte Materialien oder Prozesse beim Vorlieferanten. Die Norm verlangt in diesen Fällen die Wiedervorlage beim Kunden — welche Elemente des Pakets betroffen sind, hängt von der Änderung ab und ist mit dem Kunden abzustimmen. In der Praxis scheitert das an der Schnittstelle: Der Änderungsdienst sieht die technische Seite, aber niemand prüft die Einreichpflicht. Verankern Sie die Frage „Löst diese Änderung eine Wiedervorlage aus?“ als Pflichtpunkt in Ihrem Änderungsmanagement — derselbe Auslöser, der eine neue FAI erfordert, betrifft fast immer auch das PPAP-Paket.