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Methode / Werkzeug

FAIR

First Article Inspection Report

Definition

Standardisiertes Prüfprotokoll für die Erstmusterprüfung nach EN 9102. Enthält alle Messergebnisse, Materialnachweise, Prozessnachweise und Dokumentationen, die belegen, dass das Teil den Spezifikationen entspricht. Pflicht in Aerospace-Lieferketten.

In der Praxis

Der FAIR ist das Berichtspaket, das die Erstmusterprüfung dokumentiert — und der Gegenstand, an dem im Audit die FAI scheitert oder besteht. Drei Praxisfehler kehren regelmäßig wieder: Der FAIR wird nach der Erstlieferung archiviert und nie wieder angefasst, obwohl jede relevante Änderung eine Aktualisierung verlangt; dokumentierte Nichtkonformitäten werden im Paket „vergessen“, statt auf Formular 3 mit Referenz und auf Formular 1 mit dem Ja-Feld ausgewiesen zu werden; und die Aufbewahrung endet mit der Auslieferung, obwohl der Bericht ein Qualitätsnachweis für die gesamte Produktionsdauer ist. In der Umstellung auf digitale Systeme entsteht zusätzlich ein Zwitterproblem: halb Papier, halb Software, ohne durchgehende Referenzierung. Wer die Logik einmal verstanden hat, erkennt die Parallele zur dokumentierten Information im QMS — der FAIR ist nichts anderes als ein besonders streng geregelter Nachweis.

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen zu FAIR

Was ist der Unterschied zwischen FAI und FAIR?

Die FAI ist die Tätigkeit — die geplante Verifizierung des Produktionsprozesses am ersten Serienteil. Der FAIR, der First Article Inspection Report, ist das dokumentierte Ergebnis dieser Tätigkeit (EN 9102, Kapitel 4.7): das Berichtspaket aus den drei Formularen plus die referenzierten Nachweise wie Materialzertifikate, Spezialprozess-Freigaben und Prüfprotokolle. Umgangssprachlich werden beide Begriffe vermischt, im Audit zählt die Trennung: Eine sauber durchgeführte Prüfung ohne vollständigen Bericht ist nichts wert, weil der objektive Nachweis fehlt. Umgekehrt erkennen erfahrene Auditoren einen zusammengestellten FAIR ohne echte Prüfung an fehlenden Ist-Werten und Referenzen.

Wie lange muss ein FAIR aufbewahrt werden?

Der FAIR gilt als Qualitätsaufzeichnung und ist aufzubewahren, solange das Produkt hergestellt wird — mindestens aber so lange, wie es die anzuwendenden Kunden- und Behördenanforderungen festlegen (EN 9102, Kapitel 4.8). In der Luftfahrt bedeutet das in der Praxis oft Jahrzehnte, weil Ersatzteilpflichten und Lufttüchtigkeitsdokumentation weit über die Serienfertigung hinausreichen. Legen Sie die Aufbewahrungsfristen in Ihrem Prozess für dokumentierte Information fest, statt sie dem Archivzufall zu überlassen. Und bedenken Sie: Ein verlorener FAIR kann vom Kunden als Grund für eine komplette Neu-FAI herangezogen werden — das ist teurer als jedes Archiv.

Wie gehe ich mit einer Nichtkonformität um, die während der FAI auftaucht?

Das ist vorgesehen und kein Beinbruch — entscheidend ist die saubere Dokumentation (EN 9102, Kapitel 4.5): Das nichtkonforme Merkmal wird auf Formular 3 mit der Referenznummer des Nichtkonformitätsdokuments eingetragen, und auf Formular 1 setzen Sie das Ja-Feld für dokumentierte Nichtkonformitäten. Danach liegt der Ball im Prozess: Sie implementieren eine Korrekturmaßnahme am Produktrealisierungsprozess und führen für die betroffenen Merkmale eine partielle oder vollständige FAI durch. Erst wenn alle Abweichungen abgearbeitet sind, stellen Sie das Feld auf Nein. Ein FAIR mit offenen Nichtkonformitäten ist also zulässig, aber er ist als solcher erkennbar — und der Kunde entscheidet, ob er unter diesen Bedingungen überhaupt annimmt.

FAIR in der Anwendung? Norminator hilft.

Das Glossar erklärt den Begriff. Norminator liefert die Umsetzung — von der Anforderung bis zum fertigen Dokument.

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