Zum Hauptinhalt springen
Methode / Werkzeug

Prozessfähigkeit

Definition

Statistische Bewertung der Fähigkeit eines Prozesses, die vorgegebenen Spezifikationsgrenzen langfristig einzuhalten. Kennzahlen: Cp (Potenzial), Cpk (kurzfristig), Pp und Ppk (langfristig). Cpk-Werte über 1,33 gelten in der Automotive-Industrie als Mindestanforderung. Basis für datenbasierte Freigaben nach PPAP.

In der Praxis

Der meistgehörte Satz im Audit: „Cpk 1,4, alles gut." Meine erste Gegenfrage: „War der Prozess beherrscht?" Denn ein Fähigkeitsindex setzt einen statistisch stabilen Prozess voraus — ohne Regelkarte mit stabilem Verlauf ist der Cpk eine Momentaufnahme ohne Aussagekraft. Zweiter Dauerfehler: die Rosinenstichprobe. Die Daten kommen aus der guten Woche, nicht aus einem repräsentativen Zeitraum mit Schicht- und Chargenwechseln. Drittens wird der Cp gefeiert und der Cpk ignoriert: Ein Cp von 1,8 bei einem Cpk von 0,9 heißt, der Prozess hätte Luft, liegt aber an der oberen Grenze an — ein Zentrierungsproblem, kein Streuungsproblem. Viertens fehlt die Verbindung zum Produktionslenkungsplan: Fähigkeitsnachweise gehören zu den besonderen Merkmalen, nicht zu irgendwelchen Maßen. Und fünftens die Reihenfolge: erst Prüfprozesseignung, dann Stabilität, dann Fähigkeit. Wer den Cpk mit einem Messsystem berechnet, das 20 Prozent der Toleranz verbraucht, bescheinigt sich selbst eine Illusion.

Häufige Fragen zu Prozessfähigkeit

Was ist der Unterschied zwischen Cp und Cpk?

Der Cp beschreibt das Potenzial: das Verhältnis der Toleranzbreite zur Prozessstreuung — er ignoriert, wo der Prozess innerhalb der Toleranz liegt. Der Cpk berücksichtigt zusätzlich die Lage: Er misst den Abstand des Prozessmittelwerts zur nächstgelegenen Spezifikationsgrenze. Ein Prozess kann also einen hervorragenden Cp und einen schlechten Cpk haben — dann ist er schlank, aber dezentriert. Beispiel: Cp 1,8 und Cpk 0,9 bedeutet, die Streuung passt bequem in die Toleranz, aber der Mittelwert klebt an einer Grenze; jede kleine Verschiebung produziert Ausschuss. Die Konsequenz unterscheidet sich: Bei schlechtem Cp müssen Sie die Streuung reduzieren — teuer, oft konstruktiv oder verfahrenstechnisch. Bei schlechtem Cpk mit gutem Cp müssen Sie nur zentrieren — meist eine Einrichtfrage. Deshalb gehören beide Werte immer zusammen in den Bericht.

Was fordert die IATF 16949 konkret zur Prozessfähigkeit?

Die Norm verlangt, dass Fertigungsprozesse überwacht werden, um die Einhaltung der Kundenanforderungen nachzuweisen — mit der vom Kunden geforderten Prozessfähigkeit als Maßstab. Die statistischen Hilfsmittel dafür müssen bereits in der Qualitätsvorausplanung festgelegt sein und ihren Weg in den Produktionslenkungsplan finden. Konkrete Indexwerte schreibt die Norm selbst nicht vor; sie kommen aus den kundenspezifischen Anforderungen — in der Branche ist ein Cpk beziehungsweise Ppk von mindestens 1,33 für die Serie die verbreitete Untergrenze, für Anfangsnachweise werden häufig höhere Werte gefordert. Methodisch verweist die Normenwelt auf die Reihe ISO 22514 für die Berechnung und auf das AIAG-SPC-Handbuch für die Stabilitätsvoraussetzung. Wichtig für das Audit: Die Fähigkeitsnachweise müssen sich auf die besonderen Merkmale beziehen und im Lenkungsplan verankert sein — ein Excel-Friedhof ohne Prozessbezug gilt nicht (IATF 16949:2016, Abschnitt 9.1.1.1; ISO 22514, Reihe).

Unser Cpk liegt bei 1,2, der Kunde fordert 1,33 — was tun?

Arbeiten Sie die Kette in dieser Reihenfolge ab, statt sofort am Prozess zu drehen. Erstens Stabilität prüfen: Zeigt die Regelkarte Ausreißer oder Trends, ist der Index ohnehin nicht belastbar — erst Sonderursachen beseitigen. Zweitens das Messsystem prüfen: Frisst die Prüfmittelstreuung einen nennenswerten Toleranzanteil, ist der gemessene Cpk schlechter als der wahre. Drittens die Lage prüfen: Ist der Cp deutlich besser als der Cpk, genügt Zentrieren — ein Einrichtproblem, kein Prozessproblem. Viertens erst die Streuung angehen: Werkzeugverschleiß, Materialschwankungen, Parameterfenster — hier hilft eine systematische Versuchsplanung statt Probieren. Bleibt der Wert kurzfristig unerreichbar, ist der ehrliche Weg eine 100-Prozent-Absicherung mit Fehlersicherung plus abgestimmter Maßnahmenplan gegenüber dem Kunden. Was im Audit nie funktioniert: neu rechnen, bis die Zahl passt.

Prozessfähigkeit in der Anwendung? Norminator hilft.

Das Glossar erklärt den Begriff. Norminator liefert die Umsetzung — von der Anforderung bis zum fertigen Dokument.

Norminator Support
Fragen zu Norminator? Frag mich.
Willkommen! Ich bin der Norminator Support-Assistent. Wie kann ich Ihnen helfen?