Zum Hauptinhalt springen
Methode / Werkzeug

Prozesslandkarte

Definition

Grafische Darstellung aller wesentlichen Prozesse einer Organisation und ihrer Wechselwirkungen. Zeigt Kernprozesse, Managementprozesse und Unterstützungsprozesse samt Schnittstellen, Inputs und Outputs. Pflichtdokument in ISO 9001 und Ausgangspunkt für die Prozessauditierung nach VDA 6.3.

In der Praxis

Die Prozesslandkarte ist das Dokument, an dem sich zeigt, ob ein Unternehmen prozessorientiert denkt oder nur so tut. Erstes Fehlerbild: die Wanddeko — einmal fürs Erstaudit gezeichnet, seitdem nie angefasst, während die Organisation längst anders arbeitet. Zweites Fehlerbild: Prozesse entlang des Organigramms geschnitten statt entlang der Wertschöpfung. „Abteilung Einkauf" ist kein Prozess; „Beschaffung" mit Input Bedarf und Output verfügbares Material schon. Drittens fehlen die Wechselwirkungen — und genau die Schnittstellen sind es, die die Norm sehen will und an denen die Fehler entstehen. Viertens: kein Prozesseigner und keine Kennzahl je Prozess — dann ist die Landkarte eine Grafik, kein Steuerungsinstrument. Richtig genutzt, ist sie der Dreh- und Angelpunkt: Aus ihr fallen das interne Auditprogramm, die Auswahl der Prozessaudits nach VDA 6.3, die Risikobetrachtung und die Struktur der dokumentierten Information. Wer die Landkarte pflegt, steuert das System; wer sie archiviert, archiviert das System gleich mit.

Häufige Fragen zu Prozesslandkarte

Was unterscheidet die Prozesslandkarte von Prozessbeschreibungen und Verfahrensanweisungen?

Die Prozesslandkarte ist die Übersichtsebene: Sie zeigt, welche Prozesse die Organisation hat, wie sie zusammenwirken und wo die Schnittstellen liegen — typischerweise gegliedert in Management-, Kern- und Unterstützungsprozesse. Die Prozessbeschreibung geht eine Ebene tiefer: Sie definiert für einen einzelnen Prozess Eingang, Ergebnis, Verantwortung, Kennzahlen und Ressourcen — oft als Prozesssteckbrief oder Turtle-Diagramm. Verfahrens- und Arbeitsanweisungen bilden die dritte Ebene: das detaillierte Wie einzelner Tätigkeiten. Der häufige Fehler ist, die Ebenen zu vermischen — eine Landkarte, auf der jede Tätigkeit verzeichnet ist, wird unleserlich, und eine Anweisung ohne Prozesskontext bleibt beliebig. Faustregel: Die Landkarte beantwortet „welche Prozesse und wie hängen sie zusammen", die Dokumente darunter beantworten „wie arbeiten wir darin".

Ist die Prozesslandkarte nach ISO 9001 eigentlich Pflicht?

Das Wort „Prozesslandkarte" kommt in der Norm nicht vor — die Darstellungsform ist frei. Die Anforderung dahinter ist aber verbindlich: Die Organisation muss die für das Qualitätsmanagementsystem benötigten Prozesse bestimmen — einschließlich ihrer Anwendung, ihrer Reihenfolge und ihrer Wechselwirkungen, dazu Kriterien, Methoden, Ressourcen und Verantwortlichkeiten je Prozess. Ohne eine dokumentierte Übersicht dieser Prozesse und ihrer Zusammenhänge ist das praktisch nicht nachweisbar; deshalb hat sich die Prozesslandkarte als Standard-Nachweismittel etabliert. Im Zertifizierungsaudit ist sie regelmäßig eines der ersten Dokumente, die der Auditor sehen will. Wer auf eine grafische Landkarte verzichtet, muss die gleiche Information eben anders eindeutig darstellen — etwa als Prozessverzeichnis mit Schnittstellenmatrix. Einfacher ist das selten (ISO 9001:2015, Abschnitt 4.4).

Wie bauen wir eine Prozesslandkarte auf, die im Alltag genutzt wird?

Beginnen Sie mit den Kernprozessen entlang der Wertschöpfung — vom Kundenkontakt bis zur Lieferung und darüber hinaus, typischerweise fünf bis acht. Ergänzen Sie die Managementprozesse wie Strategie und Managementbewertung sowie die Unterstützungsprozesse wie Personal, IT und Instandhaltung; insgesamt sollten es acht bis fünfzehn Prozesse bleiben, sonst verliert die Karte ihre Funktion als Übersicht. Zeichnen Sie die Wechselwirkungen als Pfeile ein — was liefert welcher Prozess an welchen? Benennen Sie je Prozess einen Prozesseigner und ein bis zwei Kennzahlen; erst das macht die Karte steuerbar. Verknüpfen Sie sie dann mit dem Auditprogramm: Jeder Prozess kommt im Auditzyklus dran, risikoreiche öfter. Und legen Sie einen Review-Termin fest — mindestens jährlich im Zuge der Managementbewertung prüfen, ob die Karte noch die gelebte Organisation abbildet.

Prozesslandkarte in der Anwendung? Norminator hilft.

Das Glossar erklärt den Begriff. Norminator liefert die Umsetzung — von der Anforderung bis zum fertigen Dokument.

Norminator Support
Fragen zu Norminator? Frag mich.
Willkommen! Ich bin der Norminator Support-Assistent. Wie kann ich Ihnen helfen?