Definition
US-amerikanischer Branchenverband der Automobilindustrie, der gemeinsam mit dem VDA zentrale Core Tools herausgibt. Zu den wichtigsten Publikationen zählen FMEA, MSA, SPC, PPAP und APQP. Die AIAG koordiniert weltweit die Harmonisierung automobiler Qualitätsstandards.
In der Praxis
Die AIAG ist der Punkt, an dem deutsche Zulieferer merken, dass Automotive-QM längst global ist: Wer an Ford, GM oder Stellantis liefert, arbeitet mit den Core Tools APQP, PPAP, FMEA, MSA und SPC — und mit den CQI-Assessments für Spezialprozesse wie Wärmebehandlung, Galvanik oder Schweißen. Der klassische Fehler: AIAG-Handbücher werden als „amerikanische Sache" abgelegt, während der eigene deutsche OEM längst APQP-Logik und PPAP-Elemente über seine CSR fordert. Zweiter Irrtum, den ich immer noch sehe: „AIAG-FMEA gegen VDA-FMEA" als Gegensatz — das ist seit dem gemeinsamen AIAG-VDA-FMEA-Handbuch von 2019 überholt, eine FMEA nach dem harmonisierten Handbuch erfüllt beide Welten, inklusive der Aufgabenpriorität AP statt der alten Risikoprioritätszahl. Drittens unterschätzen viele die CQI-Reihe: Wer einen Spezialprozess betreibt, dessen Ergebnis sich nicht zerstörungsfrei vollprüfen lässt, wird im Kundenaudit an CQI-9, CQI-11 oder CQI-15 gemessen — nicht am guten Willen.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen zu AIAG
Was ist der Unterschied zwischen AIAG und VDA — und welche Publikationen gelten für uns?
Beide sind nationale Branchenverbände und Mitglieder der IATF: die AIAG für Nordamerika, der VDA für Deutschland. Die AIAG gibt die Core-Tool-Handbücher heraus — APQP, PPAP, FMEA, MSA, SPC — sowie die CQI-Standards für Spezialprozesse und MMOG/LE für die Logistikbewertung. Der VDA liefert mit seinen Bänden die deutschen Pendants, etwa VDA 6.3 statt eines AIAG-Prozessaudit-Handbuchs. Welches Regelwerk für Sie gilt, entscheidet nicht Ihr Standort, sondern Ihr Kunde: US-OEM und deren weltweite Werke fordern typischerweise AIAG-Methoden, deutsche OEM die VDA-Bände. Bei der FMEA ist die Trennung seit 2019 aufgehoben — das gemeinsame AIAG-VDA-Handbuch gilt für beide. Prüfen Sie die CSR jedes Kunden, bevor Sie Methoden festlegen (IATF 16949:2016, Anhang B).
Schreibt die IATF 16949 die AIAG Core Tools verbindlich vor?
Nicht namentlich und nicht pauschal — die IATF 16949 fordert die Methodeninhalte, die konkreten Handbücher kommen über die Kundenanforderung. Der Standard verlangt beispielsweise die Messsystemanalyse, statistische Prozesslenkung und den Produktionslenkungsplan, und sein Anhang B nennt die AIAG-Handbücher neben den VDA-Bänden als anerkannte Referenzen. Verbindlich wird ein Handbuch, wenn der Kunde es in seinen kundenspezifischen Anforderungen fordert — Ford etwa referenziert APQP und das FMEA-Handbuch explizit, und das harmonisierte AIAG-VDA-FMEA-Format wird herstellerübergreifend akzeptiert. Für Sie heißt das: Die Core Tools sind faktisch Pflicht, aber der verbindliche Hebel ist die CSR-Matrix, nicht der Normtext allein. Dokumentieren Sie je Kunde, welches Handbuch in welcher Ausgabe gilt (IATF 16949:2016, Abschnitt 4.3.2 und Anhang B).
Wir liefern erstmals an einen US-OEM — wie bauen wir die Core Tools pragmatisch auf?
Arbeiten Sie entlang des Produktentstehungsprozesses, nicht entlang der Handbuch-Rückseite. Erstens APQP als Planungsrahmen: Meilensteine, Verantwortlichkeiten und Liefergegenstände von der Anfrage bis zum Serienanlauf festlegen — das ist das Rückgrat, an dem alles andere hängt. Zweitens die Dokumentenkette Prozessablaufplan, PFMEA, Produktionslenkungsplan: Sie muss durchgängig konsistent sein, die besonderen Merkmale laufen von der Zeichnung über die FMEA bis in die Arbeitsanweisung. Drittens MSA und SPC für die Merkmale, die der Kunde als besonders gekennzeichnet hat — erst die Prüfprozesseignung nachweisen, dann Prozessfähigkeit. Viertens PPAP als Freigabeabschluss mit den geforderten Nachweisen. Und prüfen Sie früh, ob Ihre Prozesse CQI-relevant sind — ein CQI-Assessment aufzuholen dauert Monate. Wer die Kette einmal sauber durchlaufen hat, bedient damit auch deutsche OEM.