Definition
AIAG-Standard für Galvanikprozesse, der Anforderungen an Prozesssteuerung, Chemikalienmanagement, Badkontrolle und Prüfplanung definiert. Relevant für Lieferanten in der Automobilindustrie, die Oberflächenbehandlungen als Sonderprozess durchführen.
In der Praxis
Galvanik ist Chemie unter Strom — und genau das macht den Prozess so heikel: Schichtdicke, Haftfestigkeit und Korrosionsbeständigkeit entstehen im Bad und lassen sich am fertigen Teil nur begrenzt und oft nur zerstörend prüfen. CQI-11 bewertet deshalb das System dahinter: Badchemie mit Analysen und Zudosierungen, Temperatur- und Stromdichteführung, Chemikalienmanagement, Prüfplanung und Dokumentation. In der Praxis sehe ich zwei Dauerbaustellen. Erstens laufen Badanalysen neben dem Labor her: Werte werden notiert, aber Grenzwertverletzungen lösen keinen dokumentierten Reaktionsplan aus. Zweitens wird die Galvanik als ausgegliederter Prozess zum Lohnbeschichter vergeben, ohne dass dort je ein Assessment stattgefunden hat — der Einkauf behandelt den Auftrag wie eine normale Bestellung. Beides sind regelmäßige Audit-Feststellungen. Und eine Klarstellung: Abwasser, Gefahrstoffe und Arbeitssicherheit sind nicht Gegenstand von CQI-11 — das gehört in Ihr Umweltmanagement nach ISO 14001.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen zu CQI-11
Wir beschichten — gilt für uns CQI-11 oder CQI-12?
Die Grenze verläuft zwischen nasschemisch-galvanisch und organisch: CQI-11 gilt für galvanische und verwandte Oberflächenprozesse wie Verzinken, Zink-Nickel, Verchromen oder Eloxieren. CQI-12 ist der Schwesterstandard für organische Beschichtungen — Nasslackierung, Pulverbeschichtung und kathodische Tauchlackierung. Wer beide Technologien betreibt oder zukauft, bewertet beide getrennt mit dem jeweiligen Assessment. Entscheidend ist der tatsächlich durchgeführte Prozess, nicht die Bezeichnung auf der Bestellung. Die Abgrenzung definiert das AIAG-Referenzdokument CQI-11 (Plating System Assessment).
Muss unser Lohnbeschichter CQI-11 nachweisen, oder reicht unsere eigene Bewertung?
Ihre eigene Bewertung reicht nicht, wenn der Prozess beim Vorlieferanten läuft. Die kundenspezifischen Anforderungen der OEMs gelten entlang der gesamten Lieferkette einschließlich der Sub-Tier-Ebenen, und die IATF 16949 verlangt die risikobasierte Überwachung externer Anbieter ohnehin (Kapitel 8.4.2.4). Praktisch heißt das: Fordern Sie das aktuelle CQI-11-Assessment Ihres Beschichters an, prüfen Sie Datum und Maßnahmenstand und dokumentieren Sie die Bewertung in Ihrer Lieferantensteuerung. Die Verantwortung für die Konformität des beschichteten Teils bleibt bei Ihnen — die können Sie nicht mit der Bestellung abgeben.
Wie bekommen wir unser Badmanagement CQI-11-fest?
Legen Sie je Bad einen Analyseplan fest: welche Parameter, mit welcher Frequenz, mit welchen Grenzwerten — abgeleitet aus Chemikalien-Spezifikation und Kundenanforderung. Jede Analyse wird dokumentiert, jede Zudosierung ebenfalls, und bei Grenzwertverletzung greift ein definierter Reaktionsplan inklusive Bewertung der seit der letzten Gut-Analyse produzierten Ware. Die Schichtdickenmessung muss prüfmittelfähig sein, also durch eine MSA-Studie abgesichert. Und schulen Sie die Probenahme: Der beste Analyseplan nützt nichts, wenn die Probe nicht repräsentativ ist.