Definition
AIAG-Standard für Lackierprozesse in der Automobilindustrie. Definiert Mindestanforderungen an Anlagentechnik, Prozessparameter, Qualitätsprüfung und Dokumentation. Anwendung bei Karosserielackierung, Pulverbeschichtung und Tauchlackierung.
In der Praxis
Ob Karosserie-KTL, Pulverbeschichtung auf Felgen oder Nasslack auf Kunststoffteilen: Beim Lackieren entscheidet sich die Qualität in der Prozesskette Vorbehandlung, Auftrag, Einbrennung — und am fertigen Teil sehen Sie nur die Oberfläche, nicht die Haftung nach tausend Stunden Salzsprühnebel. CQI-12 bewertet deshalb Anlagentechnik, Prozessparameter, Qualitätsprüfung und Dokumentation über die ganze Kette. Typische Stolpersteine aus der Praxis: Die Einbrennofen-Profile wurden nie mit fahrenden Datenloggern gegen das Lackfenster verifiziert, die Vorbehandlungschemie läuft neben dem Labor her, und Reklamationen wie Fischaugen oder Blasen werden behoben, ohne auf die verursachenden Parameter zurückzuführen. Gerade der Ofen ist der unterschätzte Punkt — hier gilt dieselbe Pyrometrie-Logik wie bei CQI-9. Binden Sie die Parameterfenster aus dem Assessment in Ihren Control Plan ein und werten Sie Beschichtungsreklamationen systematisch gegen die Prozessdaten aus — dann wird CQI-12 zum Frühwarnsystem statt zum Jahresritual.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen zu CQI-12
Gilt CQI-12 auch für Pulverbeschichtung und KTL?
Ja. CQI-12 deckt die organischen Beschichtungsverfahren ab — dazu zählen Nasslackierung, Pulverbeschichtung und die kathodische Tauchlackierung, wie sie etwa im Karosseriebau Standard ist. Je eingesetztem Verfahren kommen die zugehörigen Abschnitte und Prozesstabellen des Assessments zur Anwendung. Abzugrenzen ist CQI-12 gegen CQI-11: Galvanische und nasschemische Oberflächen wie Verzinken oder Eloxieren bewerten Sie mit CQI-11, nicht mit CQI-12. Wer beides im Haus oder in der Lieferkette hat, braucht beide Assessments. Die Verfahrensabdeckung definiert das AIAG-Referenzdokument CQI-12 (Coating System Assessment).
Welche Prüfungen müssen bei beschichteten Teilen nachweislich laufen?
Die konkreten Prüfumfänge kommen aus der Kundenspezifikation — typisch sind Schichtdicke, Haftfestigkeit und Korrosionsbeständigkeit, letztere meist über Salzsprühnebelprüfung. CQI-12 verlangt dazu die systemische Seite: eine dokumentierte Prüfplanung mit Frequenzen, fähige und kalibrierte Prüfmittel, nachgewiesene Probenahme und Aufzeichnungen, aus denen die Einhaltung der Prozessparameter hervorgeht. Korrosionsprüfungen laufen häufig bei externen Laboren — dann gehört deren Beauftragung und Bewertung in Ihre dokumentierte Steuerung. Fehlt die Verknüpfung zwischen Prüfergebnis und Produktcharge, haben Sie im Audit ein Problem. Die Anforderungen an Prüfplanung und Aufzeichnungen definiert das AIAG-Referenzdokument CQI-12 (Coating System Assessment).
Wie bereiten wir uns auf ein CQI-12-Assessment vor?
Arbeiten Sie das Dokument in seiner eigenen Logik durch: Deckblatt mit den eingesetzten Verfahren, dann die Abschnitte zu Managementverantwortung und Arbeitsbereich, dann die verfahrensspezifischen Prozesstabellen. Führen Sie mindestens ein Job Audit an einem realen Fertigteil durch — idealerweise ein Teil für einen Kunden, der CQI-12 fordert — vom Wareneingang bis zum Versand. Jede Feststellung bekommt eine Ursachenanalyse und einen Maßnahmenplan; die CQI-Logik sieht die Abstellung binnen 90 Tagen vor, bei akuter Gefährdung des Produkts sofortige Eingrenzung. Bewahren Sie die Nachweise kundenbereit auf.