Definition
AIAG-Standard für die Bewertung von Wärmebehandlungsprozessen in der Automobilindustrie. Definiert Anforderungen an Prozesssteuerung, Prüfmittelfähigkeit, Chargenverfolgung und Dokumentation. CQI-9-Audits werden häufig von OEMs gefordert, um die Konformität von Wärmebehandlungslieferanten sicherzustellen.
In der Praxis
Wärmebehandlung ist der klassische Spezialprozess: Ob das Bauteil die geforderte Härtetiefe und Gefügestruktur hat, sehen Sie ihm erst an, wenn Sie es aufschneiden — oder beim Kunden, wenn es bricht. CQI-9 bewertet deshalb das gesamte System: Managementverantwortung, Materialhandhabung, Anlagentechnik und verfahrensspezifische Prozesstabellen, etwa für Aufkohlen, Nitrieren, Aluminium-Wärmebehandlung oder induktives Härten. Das Herzstück ist die Pyrometrie: Thermoelemente, System Accuracy Tests und Temperature Uniformity Surveys mit definierten Intervallen — je nach Ofentyp und Verfahren jährlich oder vierteljährlich, in jedem Fall nach wesentlichen Umbauten. Genau hier entstehen die meisten Befunde: TUS-Termine verpasst, IR-Pyrometer ohne Kalibrierung, Chargenaufzeichnungen lückenhaft. Ford verlangt die jährliche Bewertung je Standort ausdrücklich auch nach Prozess- oder Anlagenänderungen und das Vorhalten der zwei letzten Berichte. Mein Rat aus der Praxis: Führen Sie die Rückverfolgbarkeit so, dass Sie jede Härtecharge rückwärts bis zur Ofenkurve verfolgen können — das ist die Auditprobe. Und sichern Sie Ihre Härteprüfgeräte über die Prüfmittelfähigkeit (MSA) ab.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen zu CQI-9
Was prüft CQI-9 konkret — und was nicht?
CQI-9 bewertet das Managementsystem der Wärmebehandlung: Verantwortlichkeiten und Qualitätsplanung, Arbeitsbereich und Materialhandhabung, Einrichtungen und Ausrüstung inklusive der kompletten Pyrometrie, dazu die Prozesstabellen für jedes eingesetzte Verfahren und mindestens ein Job Audit an einem realen Auftrag. Was CQI-9 nicht liefert, sind Produktanforderungen: Härtewerte, Einsatzhärtungstiefen oder Gefügegrenzen kommen aus der Kundenspezifikation und der Zeichnung. Das Assessment prüft, ob Ihr System diese Anforderungen dauerhaft beherrscht — nicht, ob ein einzelnes Teil gerade passt. Aufbau und Inhalt des Assessments definiert das AIAG-Referenzdokument CQI-9 (Special Process: Heat Treat System Assessment).
Wie oft muss ein CQI-9-Assessment durchgeführt werden?
Mindestens jährlich — das fordert das CQI-9-Dokument selbst für die interne Bewertung. Ford verschärft das in seinen kundenspezifischen Anforderungen: Alle Wärmebehandlungsprozesse je Standort und entlang der Lieferkette sind jährlich zu bewerten, zusätzlich nach jeder Änderung am Wärmebehandlungsprozess oder an der Anlagentechnik (Ford CSR zu IATF 16949, Kapitel 9.2.2.3). Die zwei letzten Jahresberichte sind vorzuhalten und dem Kunden auf Anfrage bereitzustellen. Wer also im Herbst einen Ofen umbaut, kann nicht bis zum nächsten Jahrestermin warten.
Wo entstehen die meisten CQI-9-Befunde — und wie beugen wir vor?
Die Fehlerdichte liegt in der Pyrometrie: überzogene TUS- und SAT-Termine, Thermoelemente und Messinstrumente ohne aktuelle Kalibrierung, Ofenuniformität nach Umbau nicht neu vermessen. Dahinter steckt meist fehlende Terminüberwachung — bauen Sie die Intervalle in Ihre Instandhaltungs- oder Kalibriersoftware ein, nicht in einen Kalender im Kopf des Ofenbauers. Zweiter Klassiker: Chargenaufzeichnungen ohne durchgehende Temperaturdokumentation. Dritter: Härteprüfgeräte ohne tägliche Verifizierung und ohne nachgewiesene Prüfmittelfähigkeit. Wer diese drei Felder sauber hält, besteht die Bewertung erfahrungsgemäß ohne größere Feststellungen.