Definition
Statistische Prozessfähigkeitskennzahlen für Prozessvalidierungen und Startphasen. Pp beschreibt das Potenzial, Ppk die Prozesslage. Ford fordert für Produktionslaunches typischerweise Ppk ≥ 1,33. Unterscheiden sich von Cp/Cpk, die für laufende Serienprozesse verwendet werden.
In der Praxis
Pp und Ppk sind die unbequemen Indizes — und genau deshalb verlangen die Kunden sie in der Anlaufphase. Während Cp und Cpk mit der Streuung innerhalb der Teilstichproben rechnen, erfassen Pp und Ppk die Gesamtstreuung aller Daten: Chargenwechsel, Schichtwechsel, Temperaturgänge, Einrichteeingriffe — alles, was eine Serie über Wochen real durchläuft. Der Ppk ist deshalb fast immer schlechter als der Cpk desselben Prozesses; wer beide Werte nebeneinanderlegt, sieht, wie viel Langzeitstreubreite der Teilstichproben-Blick ausblendet. Drei Fehler aus der Praxis: Erstens wird der Ppk aus einer Drei-Schicht-Woche als Fähigkeitsnachweis verkauft, ohne den Zeitraum zu nennen. Zweitens wird er auf nicht normalverteilte Daten losgerechnet — bei Form- und Lagetoleranzen oder physikalisch einseitig begrenzten Merkmalen führt das zu Phantomwerten; dann ist die Verteilung anzupassen. Drittens wird Ppk mit Cpk verwechselt, wenn der Kunde fragt — Ford etwa lässt sich Anlauf- und Serienfähigkeit einheitlich als Ppk berichten: mindestens 1,67 für die Anfangsfreigabe, dauerhaft über 1,33 in der Serie.
Häufige Fragen zu Pp / Ppk
Was ist der Unterschied zwischen Ppk und Cpk — und warum ist der Ppk meist schlechter?
Beide bewerten denselben Prozess gegen dieselbe Toleranz, aber mit unterschiedlicher Streuungsbasis. Der Cpk rechnet mit der Streuung innerhalb der Teilstichproben — dem, was der Prozess unter gleichbleibenden Bedingungen im Idealfall kann. Der Ppk rechnet mit der Gesamtstreuung über alle Daten des Auswertezeitraums — inklusive der Schwankungen zwischen Schichten, Chargen, Werkzeugständen und Tagen. Deshalb ist der Ppk praktisch immer niedriger als der Cpk, und die Differenz ist selbst eine Diagnose: Ist sie groß, steckt die Streuung zwischen den Stichproben — also in Einrichtung, Material oder Umgebung, nicht im Grundrauschen des Prozesses. Für die Berichtspraxis gilt: Der Kunde entscheidet, welcher Index gefordert ist; manche OEM lassen sich Anlauf- und Serienfähigkeit einheitlich als Ppk berichten. Mischen Sie beide nie ohne Kennzeichnung in einem Bericht.
Welche Ppk-Werte verlangt das PPAP-Verfahren für die Erstbemusterung?
Für die Anfangsprozessuntersuchung im Rahmen des PPAP gilt in der Automobilpraxis ein Ppk von mindestens 1,67 als Akzeptanzgrenze — anspruchsvoller als der übliche Serienwert, weil die Anlaufdatenbasis klein und die Langzeitstabilität noch unbewiesen ist. Liegt der Wert darunter, ist das kein Freifahrtschein zum Schweigen: Der Kunde ist zu kontaktieren, und bis zum Nachweis der Fähigkeit sind abgesicherte Lenkungsmaßnahmen nötig — typischerweise eine 100-Prozent-Prüfung oder eine in den Prozess integrierte Fehlersicherung. Kundenspezifische Anforderungen präzisieren das weiter; Ford etwa fordert eine Datenbasis von mindestens 25 Teilstichproben und definiert für den Fall unzureichender Daten verbindlich die 100-Prozent-Absicherung. Wichtig: Die Fähigkeitsnachweise beziehen sich auf alle besonderen Merkmale — und das Messsystem muss vorher als fähig nachgewiesen sein (AIAG PPAP-Handbuch).
Wie bereiten wir die Anfangsprozessuntersuchung für die PPAP-Freigabe sauber vor?
Beginnen Sie nicht am Bemusterungstag, sondern mit dem Produktionslenkungsplan: Dort steht, welche Merkmale besondere sind — genau die brauchen den Fähigkeitsnachweis. Erstens: Prüfprozesseignung für jedes eingesetzte Messmittel abschließen, sonst bauen Sie auf Sand. Zweitens: den Produktionslauf unter Serienbedingungen fahren — Serienmaschine, Serienpersonal, Serienmaterial, Solltakt; ein Musterlauf unter Laborbedingungen erzeugt eine Zahl ohne Aussage. Drittens: Datenbasis und Verteilung prüfen, bevor Sie rechnen — bei nicht normalverteilten Merkmalen ist die Verteilungsform anzupassen, sonst ist der Ppk ein Artefakt. Viertens: pro Merkmal mit Rohdaten berichten, nicht nur den Index. Und fünftens: Liegt ein Wert unter der Forderung, dokumentieren Sie Maßnahme und Absicherung und stimmen sich mit dem Kunden ab — offene Kommunikation zur Bemusterung ist der kleinste Imageschaden, den Sie in der Situation kaufen können.