Definition
Vom Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) erlassene technische Regeln, die das Arbeiten mit Gefahrstoffen präzisieren. TRGS 400 (Gefährdungsbeurteilung), TRGS 401 (Inhalation), TRGS 527 (Labor) u. a. sind praktisch bindend und ergänzen die GefStoffV.
In der Praxis
„Technische Regeln sind doch nur Empfehlungen" — dieser Satz ist in Betriebsleitungen weit verbreitet und faktisch falsch. Die TRGS werden vom Ausschuss für Gefahrstoffe erlassen und konkretisieren die Anforderungen der GefStoffV: Wer den Regeln folgt, erfüllt die Verordnung; wer anders vorgeht, muss nachweisen, dass er ein mindestens gleiches Schutzniveau erreicht. Diese Nachweislast will in der Praxis niemand tragen — deshalb behandle ich TRGS mit meinen Kunden als verbindlichen Standard. Dasselbe gilt für die TRBS zur BetrSichV. Vier Nummern sollten Sie im produzierenden Mittelstand kennen: TRGS 400 als Kochbuch für die Gefährdungsbeurteilung mit Gefahrstoffen, TRGS 555 für Betriebsanweisung und Unterweisung, TRBS 1111 für die Gefährdungsbeurteilung nach der BetrSichV und TRBS 1116 für Qualifikation, Unterweisung und Beauftragung beim Umgang mit Arbeitsmitteln. In Behörden- und Berufsgenossenschafts-Prüfungen sind genau diese Regeln der Maßstab, an dem Ihre Dokumentation gemessen wird — nicht das, was ein Berater für schlau hält.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen zu TRGS
Was ist der Unterschied zwischen TRGS, TRBS und DGUV-Regeln?
Alle drei konkretisieren Arbeitsschutzrecht, gehören aber zu unterschiedlichen Rechtsquellen. Die TRGS erlässt der Ausschuss für Gefahrstoffe zur Gefahrstoffverordnung — sie betreffen den Umgang mit Stoffen, etwa die Gefährdungsbeurteilung nach TRGS 400. Die TRBS konkretisieren die Betriebssicherheitsverordnung, also den Umgang mit Arbeitsmitteln — etwa die TRBS 1111 zur Gefährdungsbeurteilung. Die DGUV-Regeln und -Informationen dagegen stammen aus dem autonomen Recht der Unfallversicherungsträger und konkretisieren die DGUV-Vorschriften. Für die Praxis ist die Unterscheidung vor allem bei der Recherche wichtig: Bei einer Gefahrstofffrage suchen Sie in GefStoffV und TRGS, bei einer Maschinenfrage in BetrSichV und TRBS, bei Betreuungs- und Verbandsfragen im DGUV-Regelwerk. Ein gepflegtes Rechtskataster nimmt Ihnen diese Zuordnung ab.
Sind TRGS für unser Unternehmen rechtlich verbindlich?
Formal sind TRGS keine Gesetze, sondern technische Regeln — faktisch sind sie aber bindend. Sie konkretisieren die Anforderungen der GefStoffV: Wer sie einhält, kann davon ausgehen, die Verordnung zu erfüllen. Wer von ihnen abweicht, muss nachweisen, dass er ein mindestens gleiches Schutzniveau für die Beschäftigten erreicht — und dieser Nachweis ist im Ernstfall aufwendig und riskant. In der Praxis bedeutet das: Bei einer Behördenprüfung oder nach einem Unfall wird Ihr Vorgehen am Stand der TRGS gemessen. Meine Empfehlung ist deshalb klar: Behandeln Sie einschlägige TRGS wie verbindliche Vorgaben und dokumentieren Sie bewusste Abweichungen samt Schutzniveau-Nachweis, statt still davon auszugehen. Das ist auch die Haltung, die ein Auditor oder Prüfer der Berufsgenossenschaft erwartet (vgl. etwa TRGS 400).
Welche TRGS brauchen wir im Betrieb wirklich — und wie arbeiten wir damit?
Für die meisten produzierenden Betriebe genügen vier Regeln als Arbeitsgrundlage. Die TRGS 400 beschreibt das Vorgehen bei der Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen — von der Ermittlung über die Bewertung bis zu den Maßnahmen. Die TRGS 555 liefert Aufbau und Inhalt von Betriebsanweisungen und die Anforderungen an die Information der Beschäftigten. Auf der BetrSichV-Seite helfen die TRBS 1111 bei der Gefährdungsbeurteilung von Arbeitsmitteln und die TRBS 1116 bei Qualifikation, Unterweisung und Beauftragung. Praktisch gehen Sie so vor: Richten Sie Ihren GBU-Prozess an der TRGS 400 beziehungsweise TRBS 1111 aus, Ihre Betriebsanweisungen an der TRGS 555 und Ihre Unterweisungsnachweise an der TRBS 1116. Halten Sie die Regeln aktuell — sie werden fortgeschrieben — und verweisen Sie in Ihren Dokumenten auf die verwendete Regel. Das gibt Ihrer Dokumentation eine anerkannte Methodik, statt sie jedes Mal neu erfinden zu müssen.