Definition
Bestätigung durch den Nachweis, dass festgelegte Anforderungen erfüllt sind. Im Gegensatz zur Validierung prüft die Verifizierung, ob das Produkt oder der Prozess gegen die spezifizierten Eingaben und Anforderungen konform ist (z. B. Prüfung gegen Zeichnung).
In der Praxis
Die Verifizierung ist das Arbeitstier des Qualitätsmanagements: Jede Maßprüfung gegen die Zeichnung, jede Sichtprüfung, jede Funktionsprüfung am Ende der Linie ist eine Verifizierung. Gerade weil sie so alltäglich ist, entstehen die typischen Fehler hier. Der erste: Die Prüfung findet statt, aber die Anforderung, gegen die geprüft wird, ist nicht eindeutig — die Prüfanweisung hinkt der Zeichnungsänderung hinterher, und es wird gegen einen veralteten Stand verifiziert. Der zweite: Das Prüfmittel ist für die Aufgabe nicht fähig — ohne MSA-Nachweis ist jede Verifizierung ein Blindflug, weil niemand weiß, ob die Messabweichung vom Teil oder vom Messgerät kommt. Der dritte: Die Freigabe erfolgt ohne dokumentierten Verifizierungsnachweis, weil „das Teil ja gepasst hat". In der Entwicklung hat die Verifizierung eine zweite Bedeutungsebene: Hier prüft sie, ob die Entwicklungsergebnisse die Entwicklungseingaben erfüllen — Berechnungen, Simulationen, Vergleichsversuche. Beide Ebenen laufen im Audit zusammen, und beide brauchen dokumentierte Information als Nachweis.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen zu Verifizierung
Was ist der Unterschied zwischen Verifizierung und Freigabe?
Die Verifizierung ist der Nachweis, dass festgelegte Anforderungen erfüllt sind — etwa das Ergebnis einer Maßprüfung gegen die Zeichnung. Die Freigabe ist die darauf aufbauende Entscheidung, dass das Produkt oder die Dienstleistung an die nächste Stufe oder an den Kunden übergeben werden darf. Die Verifizierung liefert also die Daten, die Freigabe ist der formalisierte Beschluss durch eine befugte Person. In der Praxis fallen beide oft zusammen, etwa wenn der Prüfer zugleich freigaberechtigt ist — trennbar bleiben sie trotzdem: Ohne abgeschlossene Verifizierung darf keine Freigabe erfolgen, es sei denn, ein Kunde oder eine autorisierte Stelle genehmigt die vorzeitige Übergabe ausdrücklich. Diese Trennung wird im Audit regelmäßig geprüft, typischerweise anhand der Frage, wer wann was freigegeben hat.
Was fordert ISO 9001 für die Freigabe von Produkten — und was hat die Verifizierung damit zu tun?
Die Norm verlangt (Kapitel 8.6), dass die Freigabe von Produkten und Dienstleistungen an den Kunden erst nach zufriedenstellendem Abschluss der geplanten Verifizierungsaktivitäten erfolgt. Die geplanten Aktivitäten stehen typischerweise in Prüfplänen oder im Control Plan: welche Merkmale, mit welchem Prüfmittel, in welcher Stichprobe, an welcher Prozessstufe. Dokumentierte Information muss die Konformität mit den Annahmekriterien und die freigebende Person nachweisen. Eine Freigabe vor Abschluss der Verifizierung ist nur zulässig, wenn sie von einer relevanten autorisierten Stelle — gegebenenfalls vom Kunden — genehmigt wurde. Praktisch heißt das: Wer im Audit keine lückenlose Kette von Prüfplan, Prüfergebnis und Freigabevermerk zeigen kann, hat ein Problem. Die Erstmusterprüfung über EMPB oder PSW ist der formalisierte Sonderfall dieser Logik für den Serienanlauf.
Wie stelle ich sicher, dass unsere Verifizierungsergebnisse belastbar sind?
Drei Bausteine tragen die Belastbarkeit. Erstens: fähige Prüfmittel — führen Sie für jedes messende Prüfmittel eine Verfahrensuntersuchung nach den Regeln der MSA durch, bevor Sie Prüfergebnisse ernst nehmen. Zweitens: eindeutige Prüfanweisungen — jedes Merkmal braucht eine definierte Anforderung, ein Prüfmittel, eine Stichprobengröße und eine Reaktionsregel bei Abweichung; idealerweise steht das im Control Plan und nicht in Köpfen. Drittens: laufende Überwachung des Prozesses selbst — mit SPC erkennen Sie Trends, bevor die Toleranzgrenze gerissen wird, statt nur Gut von Schlecht zu sortieren. Ergänzend lohnt ein Blick auf die Prüfdatenqualität: Wer handschriftliche Werte ohne Plausibilitätsprüfung übernimmt, dokumentiert Fehler mit. Diese drei Bausteine sind auch genau die Punkte, die ein Auditor an einem Prüfarbeitsplatz in zehn Minuten durchspielt.